Der Abbruch am Galgenberg bei Weissenstein.
Von Pfarrer Dr. Engel in Kleineislingen.
Mit 2 photographischen Aufnahmen des Geländes.
An Bergrutschen, bei denen Stücke oder Schollen eines Höhenzuges
in die Tiefe geglitten sind, ist unsere Alb nicht eben arm.
Begreiflicherweise; denn die fetten und weichen Thone des obersten
braunen und untersten weissen Jura (Ornaten- und Impressathone
= Braun & und Weiss a), die ohnedem stets zu Verrutschungen
neigen, bilden die Gleitfläche, über welche die höheren, aus Kalkbänken
bestehenden Schichten des mittleren Weissen (Weiss ß, /y
und d) gegebenenfalls zur Tiefe fahren. Die Hauptfaktoren, die dabei
mitwirken, sind wohl ein nasser Jahrgang und eine sehr steile
Böschung. Da letztere hauptsächlich auf. der Nordwestseite der Alb
vorhanden ist, so liegt es in der Natur der Sache, dass wir den
genannten Erscheinungen eigentlich nur hier, am Steilabsturze der
Alb begegnen. Und dass langes Regenwetter besonders dazu beiträgt,
eine vielleicht seit lange bestehende Spannung zum Auslösen
zu bringen, zeigt am besten die Katastrophe, die sich anfangs der
fünfziger Jahre am Plettenberg bei Rathshausen zugetragen, und die der
sel, 0. Fraas, der damals in jener Gegend weilte, in diesen Jahresheften
beschrieben hat‘, Die Ornatenthone dort hatten sich in einem regenreichen
Frühjahr wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen, und
eines schönen Tages glitt ein grosser Teil der Weiss-#g-Mauern über
das schlüpfrige Erdreich zu Thal, wobei grosse Verwüstungen an den
Grundstücken jener Gemeinde angerichtet wurden. Dieser Bergsturz
ist aber unseres Wissens der einzige, der in historischer Zeit sich
ereignete und von Menschen beobachtet ward. Die vielen andern,
deren Spuren wir da und dort im Lande finden, sind offenbar in
weit früherer Zeit vor sich gegangen. So kennen wir allein in der
is, diese Jahreshefte Jahre, 9 (1853) S. 112 ff,