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Verwendung der Hohlbacksteine im Bauwesen. 
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velcher alle Mauern und Gewölbe, sowie die Façaden— 
»lendsteine aus Scherrer'schen Hohlsteinen bestehen; das 
gesammte Material hat sich bis dato vorzüglich ge— 
halten. Gleichfalls im Jahre 1862 verwandte Herr Bau— 
anternehmer Martel in Mainz bei'm Neubau der Mälzerei 
Leoni auf dem Cästrich dieses Pfungstätter Material, das 
außerdem 1866 bei'm Aufbau des 3. Stockwerkes der Schön— 
bornerhofkaserne in Mainz ausgedehnte Verwendung ge— 
iunden hat. 
In Norddeutschland, dem Mutterlande des Back— 
iteinrohbaues, sind zuerst beismm Neubau des Berliner Rath— 
hauses im Jahre 1863 hohle Blendziegel aus der Laubaner 
Thonwaaren- und Kunstziegelfabrik von A. Augustin in 
Schlesien zur Verwendung gekommen, 1865 bei'm Stations— 
gebäude in Lauban zum erstenmal der Kopfverband aus 
hohlen Steinen. 
Für die Entwickelungsgeschichte der Backsteinfabrikation 
ist es höchst beachtenswerth, auf welcher hohen Stufe 
der Vervollkommnung die Scherrer'schen Fabrikate 
dei Eintritt in die zweite Hälfte unseres Jahrhunderts ge— 
standen und welch' mannigfaltigste Verwendungsweise 
die Scherrer'schen Hohlsteinprofile gestatteten. 
estigkeit von 50 bis 70 kg*) pro 1 em trotz ihrer Hohl— 
äume, weil schon zur Fabrikation derselben ein vorzüglicherer 
Thon verwandt werden muß und das Brennen dieses Thones 
nfolge der Hohlräume viel besser uud gleichmäßiger erfolgen 
ann, als bei den Vollsteinen. Hohlsteine mit 15 bis 20 mim 
Wandstärke können also recht wohl noch mit 5 bis 7 Kkg 
pro 1 Dem belastet werden. 
Bei'm gewöhnlichen Wohnhausbau kommen in den 
seltensten Fällen größere Belastungen als 4 bis 44 kg 
»ro 1 Dem vor; wir können also noch recht gut vier— 
gjeschossige Wohngebäude schon vom Erdgeschoß aus mit 
Zohlsteinen aufführen, ohne die geringste Gefahr zu laufen, 
iuch nur die unterste Schichte über Gebühr anzustrengen. 
Bei totaler Verwendung der Hohlsteine würden sich sogar 
diese 4 bis 410 kKg auf mindestens 3 bis 31 kg pro 1 Tem 
jerabmindern, ein Druck, dem schon mittelmäßige Waare 
Jewachsen ist. Die Kellermauern und namentlich die Funda— 
mente können also bei Verwendung von Hohlsteinen um 
ein Viertel leichter, d. i. billiger hergestellt werden, 
ohne ihre Leistungsfähigkeit zu becinträchtigen; für Orte 
nit schlechten Untergrundverhältnissen ein nicht zu unter— 
chätzender Faktor. 
Während Kalksteinmauerwerk ein Gewicht von 2500 Kg, 
Backsteinmauerwerk aus Vollsteinen ein solches von 1600 kg 
»ro 1 chm hat, wiegt Mauerwerk aus Hohlsteinen nur 
100 kKg, also kaum mehr als Schlackenbeton, der in den 
etzten Jahren seiner Leichtigkeit halber massenhaft bei 
Zwischendeckenkonstruktionen zur Anwendung gekommen ist. 
die Vortheile der Hohlsteinverwendung bei leicht sein sollenden 
donstruktions-, bezw. Bautheilen, wie Zwischendecken, Spreng— 
vände, Gewölbe, liegen klar zu Tage und bedürfen keiner 
veiteren Erörterung. 
Weniger gekannt und gewürdigt dürfte der hohe Grad 
der Wärme-Reservationsfähigkeit der durchaus mit 
dohlsteinen hergestellten Mauern sein. H. Meiners hat in 
einem hochinteressanten Büchelchen über „das städtische 
Wohnhaus der Zukunft, oder wie sollen wir bauen und 
ruf welche Weise heizen und ventiliren“ (Stuttgart, 1879) 
zöchst interessante Betrachtungen und Berechnungen ange— 
tellt, von denen wir hier des beschränkten Raumes wegen 
tiur die Resultate mittheilen wollen. Wer sich ausführlich 
damit beschäftigen will, dem empfehle ich, Seite 92 bis 97 
jsenannten Werkchens nachzulesen. Meiners weist in aus— 
ührlicher Rehnung nach, daß die Erwärmung einer (D0 cm 
tarken) Mauer aus gewöhnlichen Vollziegeln nahezu die 
»oppelte Wärmemenge erfordert, als die einer aus porösen 
oder Lochziegeln hergestellten; eine Mauer aus Sandstein— 
naterial aber braucht beinahe dreimal soviel Wärmeeinheiten, 
ils letztere. Ebenso verhalten sich die Wärmetrans— 
nissionsmengen bei Sandstein-, Ziegelvollstein- und 
Ziegelhohlsteinmauerwerk genau wie 3600: 2400: 1200 
»der wie 3: 2: 13 d. h. wollen wir einen und denselben 
Raum, der einmal mit Sandsteinmauern, dann mit Vollback— 
teinmauern und schließlich mit Hohlsteinmauern umschlossen 
ist, auf die gleiche Innentemperatur erhalten, so brauchen 
vir im ersten Falle dreimal soviel Brennmaterial, im zweiten 
Falle doppelt soviel Brennmaterial, als bei Hohlbackstein— 
nauerwerk. Wenn auch zugegeben werden muß, daß sich 
iese Verhältnißzahlen durch eingeschaltete Thüren und 
Fenster, sowie durch die Zwischendecken mehr oder weniger 
nodifiziren, so liegt doch die hohe wirthschaftliche Be— 
deutung der Hohlsteine bezüglich unserer, noch sehr richtiger 
Lösung bedürfenden Heiz- und Ventilationsanlagen bei'm 
gefammten Wohnhausbau außer allem Zweifel. 
Denn neben der hohen Wärme-Reservationsfähigkeit der 
Hohlsteinmauern bieten uns dieselben das relativ trockenste 
Hduerwerk und damit einen so hohen Grad der 
Porenventilation, daß künstliche Lüftung solcher Räume 
'ast gar nicht, oder nur in äußetst beschränktem Maaße noch 
erforderlich ist. (Schluß folgt.) 
*) Die Scherrer'schen Hoblbacksteine 68,48 Kg 
b) Hygienisch-statisch-wirthschaftliches. 
Während die Anwendung der Hohlsteine im Alterthum 
großentheils nur ihres geringen spezifischen Gewichtes wegen 
erfolgte, traten bei Verwendung derselben zu Roberts 
Muster-Arbeiterwohnhaus in erster Linie die werthvollen 
hygienischen Eigenschaften des Hohlziegels in den 
Vordergrund; jedoch auch das statische Moment, bei Bil— 
dung leichter Zwischendecken und ganz besonders die wirth— 
schaftliche Bedeutung des Hohlziegels, darin bestehend, mit 
möglichst geringen Mauerstärken, aäͤlso möglichst wenig Mate— 
cialverbrauch zu den Umfassungsmauern, genügenden Schutz 
zegen Hitze und Kälte, gegen Nässe und Durchklingen zu er— 
reichen, werden hier zum erstenmal vollaufgewürdigt und 
wissentlich zum Ausdruck gebracht. Diese Eigenschaften 
der Hohlbacksteine machen dieselben zu einem höchst schätz— 
baren Baumaterial bei'm gesammten Haus- und Gewerbebau 
und lassen sie zu tausendfältiger praktischer Verwerthung 
geeigneter als Vollsteine erscheinen. Die die Hohlräume 
einschließende Luft als schlechter Schall- und Wärmeleiter 
spielt bei den Hohlbacksteinen die wichtigste Rolle; je größer 
diese Hohlräume, und als natürliche Folge davon je geringer 
die Wandstärken der Hohlsteine sind, desto vortheilhaster 
vird sich ihr Gebrauch überall da erweisen, wo es darauf 
inkommt, Wärme zu reserviren, Kälte abzuyauten, 
die Kondensation von Dämpfen zu verhüten, Nieder— 
schläge feuchter Luft zu vermeiden, Schutz gegen 
iußere Feuchtigkeit, trockene und leichte Mauern 
im Innern, ausreichende natürlhiche Ventilation 
Porenlüftung), leichte Substruktionen zu schaffen, 
Schalldämpfung zu erreichen. 
Vielfach und leider mit Unrecht werden die Hohlback— 
steine noch seitens der Bauhandwerker bezüglich ihrer Druck— 
festigkeit mit Mißtrauen betrachtet und die Vollsteine 
denselben vorgezogen, wo die Druckfestigkeit der Hohlsteine 
bei Weitem ausreichend wäre. Die Druckfestigkeit der vollen 
Feldbrandbacksteine und Maschinensteine schwankt von 30 
dis 300 kg pro 1 Dem. Wer nicht oft in der Praxis 
Belegenheit gefunden hat, Backsteine auf ihre Druckfeftigkeit 
zu prüfen, wird diese kolossale Differenz kaum für möglich 
jalten — und doch ist es so. Dabei ist es oft äußerst 
chwer, dem Stein am Aeußern seine Druckfestigkeit anzu— 
ehen, indem dieselbe nicht vom Brande allein, sondern auch 
hauptsächlich von der Beschaffenheit des Thones und dessen 
Verarbeitung abhängt. Da wir gewohnt sind, im Bau— 
wesen mit mindestens 0facher Sicherheit zu arbeiten, so 
können solche Steine mit 3 bis 30 kg pro 1 [em be— 
sastet werden. Die meisten Hohlbacksteine haben eine Druck—
	            		
Wohn- und Geschäftshäuser aus dem Norden Berlin— Oie lange Jahre hindurch als feststehend Jedachte Eigenschaft jeder Weltstadt: „Der Zug nach dem Westen“ hat sich für Berlin nun doch als eine keineswegs begründete Phrase erwiesen. Es ist statistisch festgestellt, daß die Ausdehnung Berlins nach dem Westen hin schon längst scharfe Begrenzung gefunden hat, während besonders nach dem Norden hin noch immer ganz gewaltige Bewohmer— Massen hinstreben. Daher kommt es auch, daß, während rüher der Mittelpunkt Berlins schon bis zum Dönhofsplatz vorgeschritten war, derselbe jetzt bereits in dem Börsengebäude an der Burg— straße amtlich ermittelt ist. Ebenso, wie über die Quantität der nach dem Norden Berlins ihren Schwerpunkt jabenden Bewohnermasse, hat man sich lange Zeit auch über deren Qualität getäuscht und aus diesem Grunde hat man die Neubauten im Norden gewöhnlich fast ohne Rücksicht auf die äußere Schönheit und die Behaglichkeit nur unter Ausnutzung selbst des kleinsten Raumes errichtet. Wir wollen nun den Beweis beibringen, daß der Erbauer des vorliegend wiedergegebenen Hebäudes ganz von dem entgegengesetzten Prinzip ausgegangen ist und im Norden Berlins mindestens ähnliche Baulichkeiten ge— schaffen hat, wie sie der sogenannte Westen nehrfach aufweist. Wenn man den außerordentlich bege. Verkehr des Nordens beobachtet, welcher be— Fennstraße Ur. 533/54. Wohn- und Geschäftshäuser aus dem Norden Berlins. —RWWI Entworfen und ausgeführzjranz Piater, Baumeister. ** Fenustraße Ur. 532. ionders bedingt wird von der Großindustrie — es existiren über 1500 Fabriken größten Styls mit ca. 500 Millionen Kapital — vom Großhandel — am Bahnhof Wedding und an den langgestreckten Lade-Ufern — von den im Norden belegenen großen militärischen Anstalten und schließlich von dem Transit— Verkehr Charlottenburg-Gesundbrunnen und Tegel-Berlin, dann wird man sich sagen, daß nallen diesen Geschäften und Branchen doch inbedingt eine große Zahl von Elementen tecken muß, welcher bezüglich der Wohnungs— verhältnisse etwas Besseres vorschwebt, als die bloße Befriedigung der allernothwendigsten Bedürfnisse. Eins ist allerdings stets im Auge zu vehalten: daß der Norden, wie er nun einmal geworden ist, immer mit der Höhe der Lebens— ausgaben zu rechnen haben wird, daß also auch der finanzielle Aufwand, z. B. für Wohnungsmiethe, gewisse Grenzen nicht über— schreiten darf. Aber gerade in diesem Punkte ist viel gesündigt worden, weil die fuͤr den Norden bauenden Hauscigenthümer sich nicht davon zu überzeugen vermögen, daß sie trotz der Mehrkosten des Schönbaues doch eine mindestens ebenso gute, jedenfalls aber sichere Rente aus ihren Häusern ziehen können. — Indem wir unsere Leser auf die beigegebenen Ubbildungen verweisen, aus denen alles sähere ersichtlich ist, bemerken wir noch, daß vwir demnächst einen zweiten Bau von dem— selben Architekten veröffentlichen werden. 8 Das Barterre-Geschoß Fenu kratze 33534 entbält folgende Räum ind zwar: 30. Vorhalle. 29. 31 Trevpenhaus mit Foutaine. 32. 34 36. 37. 38. Restaurations-Räume. 33 nüffet. 35. Damen- und Herrentoilette 39. Hintertrevpe. 40. Restaurationsküche 11. Vereinszimmer. 42. Rorridor. 28. Laden. 26. 27. Laden. 25. Zimmer oder domptoir. 23. Laden. 24. Mit als Laden oder Komptoir. 44. Hof. 46. Restau— ations-sCharten. 47. Springbrunnen. 1. Stockwerk Fennstraße 533 54. 30. Haupt-Treppe. 62. Seitenflügel— Trevpe. 11. Entree. 17. Einfenstriges Vorderzimmer. 10. Großes zweifenstriges Vorderzimmer. 8. Großes dreifenstriges Vorderzimmer. 9. Loggia mit pompe— ‚anischer Malerei. 7. Großes Speise— immer. 12. Bade— oder Kinderzimmer, 13. 15. Küche mit Speisekammer und Fenstersvind. 14. Mädcheuzimmer. 16 Herrichaftliches Kloset. 6. Rorridor. l1. Zweifenstriges Zimmer nach dem Garten. 2. Emienstriges zZimmer nach em Garten. 3. Zimmer, eventuel düche mit Fensterspind. 3. Dienstboten— floset. 20. Entree. 18. Einiensiriges Vorkderzimmer. 19. 3weifenstriges großet Vorderzimmer. 26. Dreifenstriges großet Vorderzimmer. 27. Loggia mit pompe; anischer Malerei. 22. 24. Rüche inr Fensterirind und Speisekammer. 234 Maͤdchenzinmer. 25. Einfenstriges Hinte zimmer 21 vloie VKarterre-Grungriiz Fennstraße Nr. 53/54 zarterre-Grundrifßz Nr. 52 —5 J. Stockwerk Fenmstraße Nr 51 * 5 Grundriß vom II. III. und IV. Stockwerk Fennstraße Nre Das VarterreGeschoß Senn⸗ raßze 52 enthält folgende Räͤume und war: 8. Vorhalle. 7. 9. Treppenbaus mit Fontaine. 1. 2. Lokalitäten „Deut— sches Sekthaus““ mit Gartenballe. 5. 4 Laden. 3. Zimmer oder Komptoir. — Laden. 10. 11. 12. Laden, Komptoir oder Zimmer. 13. 14. 15. Laden, Zimmer oder Komptoir. 16. 17. Laden. 18. Hintertreppe. 19. Küche mit Feusterspind. 20. Einsenstriges zimmer. 21. 3wei— fenstriges Zimmer. 22. Korridor. 44 Hof. 45. Garten. 18. Fontaine. II. III. und IV. Stochwerk Fennstraße 52. 59. Haupttreppe. 61. Seitenflügeltreppe. 36. Entree. 29. 28. Dreifenstriges Vorderzimmer mit Loggia. 30. Einfenstriges Hinterzimmer. 33. 32. Küche mit Speisetammer. 31. Mädchen— ziimmer. 34. Kloset. 39. Entree. 37. Großes zweifenstriges Vorderzimmer. 38. Einfenstriges Vorderzimmer. 40. Küche mit Fenstersrind. 435. Kloset. 45. Entree. 41. Rüche mit Fensterspind. 42. Einfen— striges Vorderzimmer. 44. 43. Drei— fenstriges Vorderzimmer mit Loggia. 51. loset. 46. Eutree. 48. Mädchenzimmer. 17. 49. Rüche mit Speisekammer. 52. Sinfenstriges Hinterzinimmer. 53. Großes Berliner zZimmer. 50. Kloset. 54. Entree 55. Küche mit Fensterspind. 56. Kloset 57. Einfenstriges Zimmer. 58. Zweifen⸗ triges Zimmer
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