Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 62, 1906)

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reiche Exemplare, die ich in Gemeinschaft mit Herrn GEYER in den
Quellen des Gebhardbaches bei Schlattstall gesammelt hatte. Diese
Fundstelle ist der Falkensteiner Höhle sehr nahe gelegen, indem sie
von ihr keine 2 km in der Luftlinie entfernt liegt. Aus dem Material
des Naturalienkabinettes benutzte ich ferner eine weitere Anzahl
von Individuen verschiedener Herkunft zur Vervollständigung meiner
Resultate. Ich will von vornherein bemerken, daß alle Tiere der
verschiedensten Fundorte (jedoch alle aus der schwäbischen Alb)
sich in ihrer Organisation durchweg völlig mit denen der Falkensteiner
 Höhle identisch erwiesen.
Zur mikroskopischen Untersuchung tötete ich die Tiere zunächst
durch Übergießen mit einigen Tropfen 5° Salpetersäure, wodurch
sie sich schön lang strecken; etwaige Verbiegungen lassen sich
mittels eines feinen Pinsels leicht ausgleichen. Dann entfernte ich
die Salpetersäure sofort durch reichliches Übergießen mit der
Fixierungsflüssigkeit, als welche ich ZENKER’sche Lösung benützte,
die mir gelegentlich anderer Planarienuntersuchungen stets die besten
Resultate gegeben hatte. Die folgende Überführung in steigenden
Alkohol geschah sehr allmählich, ebenso wurde, um Schrumpfungen
zu vermeiden, die Einbringung in Paraffin sehr vorsichtig durch
langsam gewechselte Gemische von Alkohol, Cedernöl und Paraffinum
liquidum bewerkstelligt. Die Tiere wurden in den verschiedensten
Richtungen in Serien geschnitten, wobei die Schnittdicke 5 oder
10 u betrug. Meist färbte ich mit Hämalaun und verschiedenen
Plasmafärbungen, daneben wandte ich auch die HEIMENHAIN’sche
Eisenhämatoxylinmethode an. Zur Schleimdarstellung nahm ich
Mucikarmin.
Dendrocoelum cavaticum (vergl. Abb. 1) erreicht oft eine bedeutende
 Größe. Exemplare, die ausgestreckt 3 cm messen, sind
nicht selten. Das eine Tier, das ich in der Falkensteiner Höhle
fand, hatte eine Länge von 3,5 cm. Die Breite schwankt je nach
der Größe zwischen 0,5 und 1 cm. Man findet übrigens auch geschlechtsreife
 Individuen, welche kaum 2 cm lang sind. :. Auffallend
ist, daß die Höhe des Tieres sehr gering ist, so daß es also sehr
platt erscheint. Selbst große Tiere sind in’ gestrecktem Zustande
meist nicht viel über 1 mm dick. Bei der Dünnheit des Tieres
treten deshalb der Pharynx ‚und die Geschlechtsorgane als flache
Längswülste hervor. Die Farbe der Planarie ist in der Regel milchweiß,
 Öfters findet man auch graue oder rötliche Tiere. Bei genauerem
 Zusehen erkennt man, daß diese Farbe nicht etwa auf
                        
na Ar. einem Pigmentgehalt beruht, sondern nur durch den jeweiligen Inhalt and Füllungsgrad des reich verzweigten Darmes bedingt ist. Auch bei solch gefärbten Individuen sind die Stellen des Körpers, wo keine Darmäste vorhanden sind, also die Seitenränder und das Vorderende, sowie der Pharynx und die Geschlechtsorgane immer milchweiß. Bei einzelnen Exemplaren schimmert der Darm ausgesprochen violett hindurch. Es ist dies offenbar eine Interferenzerscheinung und auf dieselbe Weise zu erklären, wie die Tatsache, daß die Venen durch die menschliche Haut blau hindurchscheinen, oder daß die [ris aller Neugeborenen dunkelblau ist. Das Kopfende von Dendrocoelum cavaticum ist vorne abgestutzt, doch nicht gerade, sondern mit einer flachen, konkaven Einkerbung versehen, zu deren beiden Seiten zwei kurze, in der Längsrichtung des Körpers verlaufende Wülste angedeutet sind.‘ Die ohrförmigen Fortsätze sind weder besonders lang, noch auffallend spitz und meist schräg nach vorne gerichtet. Auf der Bauchseite des Kopfendes sieht man jederzeit sehr deutlich den Saugnapf, welcher als eine runde oder quer ovale Grube erscheint. Am konservierten Tiere bietet die Form des Kopfendes wenig Charakteristisches, nur der Saugnapf ist‘ meist sehr deutlich zu sehen. Über die Mitte der Rückenfläche verläuft, kurz hinter dem Kopfende beginnend, eine scharfe Kiellinie, welche über dem Pharynx sich allmählich verliert; dagegen tritt zu beiden Seiten des Pharynx je eine neue, nach hinten sich erstreckende Kiellinie auf. Es folgen diese Kiele genau dem Verlaufe der drei Darmäste. Auch diese Kiellinien werden am ‚konservierten Tiere undeutlicher. Der zylindrische Pharynx liegt etwas hinter der Mitte des Körpers, noch weiter hinten erkennt man die Geschlechtsorgane, ohne daß man jedoch Details von ihnen sieht, denn, obwohl das Tier weiß und zart erscheint, ist es doch nicht sehr durchsichtig und die ebenfalls pigmentlosen Sexualorgane heben sich von der übrigen weißen Körpermasse nur schlecht ab. Sehr gut erkennt man dagegen den Darm, wenn er durch Nahrungspartikel gefärbt ist, und man kann dann alle seine Verzweigungen und Äste genau zählen. Dendrocoelum cavaticum ist für eine Planarie ziemlich lebhaft. In der Gefangenschaft sieht man sie viel hin und her kriechen, während Dendrocoelum lacteum viel träger herumliegt. Kriecht die blinde Planarie langsam, so sind die Seitenränder des Körpers gekräuselt. "Wenn das Tier zusammengezogen dasitzt, dann tritt diese Kräuselung noch viel stärker hervor, stärker noch fast, als es WELTNER (32) in seiner Abb. 2 von Dendrocoelum nunctatum PALL. zeichnet. Kriecht
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