Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 62, 1906)

LXI1 
Talbildung. Die weitere Folge war eine Verlegung der Wasserscheide 
nach Süden, indem die Abflußrinnen des Rheines immer mehr gegen 
diejenigen der Donau vordrangen, obgleich sie gegen das Schichten- 
gefälle anzustreben hatten. So sehen wir allenthalben auf unserer 
Schwäbischen Alb noch sogen. Talruinen, wie sie von GUGENHAN, ENxDRIss, 
PEncg u. a. beschrieben worden sind. Für unser hiesiges Gebiet war 
von besonderer Wichtigkeit der Durchbruch des Rheines bei Basel, denn 
damit wurde das ganze südlich von uns gelegene Gebiet in scharfer 
Strömung entwässert und rasch gewannen auch hier die dem Rhein zu- 
strömenden Gewässer die Oberhand über die der Donau zugewendeten, 
Das schönste Beispiel bietet die Gutach, welche früher im Tale der 
Aitrach der Donau zugeflossen ist, dann aber durch die von Süden her 
einschneidende Wutach angeschnitten und dem Rhein zugeführt wurde, 
Dasselbe spielt sich. nun gegenwärtig zwischen der Aach und der Donau 
ab, indem auch hier die günstigeren Abflußbedingungen auf der Südseite 
siegreich gegen die Abflußrinnen der Nordseite vordringen. Da aber 
hier als Zwischengebiet nicht leicht abzuwaschende Mergel- oder Sand- 
schichten lagern, sondern feste, größtenteils massige Kalke, so kommt 
weniger die mechanische Tätigkeit als die chemische Arbeit des Wassers 
zur Geltung. Unterirdisch, in einem System von Spalten und Klüften 
sucht sich das Wasser Bahn, um so eine spätere Talbildung einzuleiten. 
Wir sehen also hier einen der interessantesten geologischen Pro- 
zesse, die Verlegung einer Wasserscheide gewissermaßen in statu nascenti. 
(Fraas.) 
Oberamts-Wundarzt Dr. Eytel (Spaichingen): Zur Temperatur- 
umkehr auf der Schwäbischen Alb. 
Es ist bekannt, daß die Temperatur der Erdatmosphäre im all- 
gemeinen mit zunehmender Höhe über dem Meere abnimmt. Die Ab- 
nahme beträgt entlang der Erdoberfläche etwa !/2° C. auf 100 m 
Steigung. 
Von diesem Verhältnis der Temperatur der Erde gibt es aber nun 
häufige, ja sogar regelmäßige, gesetzmäßige Ausnahmen. Diesen Aus- 
nahmen, dem Zustand also, daß die Lufttemperatur mit zunehmender 
Höhe eine größere wird, hat man den Namen „Temperaturumkehr“ 
gegeben. 
Über „Temperaturumkehr“ liegen bereits aus vielen Ländern Be- 
obachtungen vor und wissenschaftliche Forscher — ich nenne die Namen 
Hann, KERNER, BILLWILLER, WosIKor — haben die Bedingungen kennen 
gelehrt, unter welchen und durch welche „Temperaturumkehr“ eintritt. 
Sehen wir uns zunächst die wichtigsten dieser Bedingungen und 
Ursachen, welche von den genannten Forschern u, a. festgestellt worden 
sind, in Kürze an! 
Die gesamte Erdatmosphäre absorbiert von den von der Sonne zur 
Erde gelangenden Wärmestrahlen nur die Hälfte; die andere Hälfte 
dient der Erwärmung der obersten Schichte der Erdrinde, Die letztere 
erhält im wesentlichen durch diese Sonnenstrahlung ihre Wärme, sie 
gibt die empfangene Wärme in der Nacht durch Wärmeausstrahlung in 
den Weltraum mehr oder weniger wieder ab.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.