2
großes Gewicht auf die Augenstellung gelegt; diese zeigt aber bei
den meisten Aviculariiden im großen ganzen denselben Typus, und
Jie Unterschiede sind so geringfügig, daß man sie entweder sehr
genau untersuchen und beschreiben muß, oder die Beschreibung
Javon wird, wie es mit der Mehrzahl der Beschreibungen älterer
Autoren der Fall ist, fast ganz wertlos. Aber wegen der eigentümlichen
Stellung der Augen dieser Tiere ist es sehr schwierig, die
gegenseitige Anordnung und Größe derselben zu erkennen, und dazu
kommt, daß die Augenstellung bei einer und derselben Art ganz
arheblich variieren kann, wie es schon bei mehreren Vogelspinnenarten
sicher nachgewiesen ist; man vergleiche z. B. was F. CAMBRIDGE
“Proc. Zool. Soc. London 1896), der im Amazongebiete Vogelspinnen
in der freien Natur hat beobachten können, über die Varlabilität
der Augenstellung von Avicularia avicularia (L.) berichtet. —
Ein anderes, früher für sehr wichtig gehaltenes Merkmal ist die
Teilung der Scopula der Tarsen und Metatarsen; dieses Merkmal
hat aber viel an Bedeutung verloren, nachdem es nachgewiesen ist,
daß die Scopula bei jungen und alten Individuen derselben Art in
zielen Fällen nicht gleich geteilt ist, ja häufig bei den erwachsenen
gänzlich ungeteilt, während die Jungen derselben Art deutlich geteilte
Scopula zeigen. — Für die Unterscheidung der Gattungen
ınd z. T. auch der Arten bieten dagegen die Stridulationsorgane
hochwichtige Merkmale; man darf wohl sagen, daß erst nach der
Entdeckung dieser die Systematik der Vogelspinnen eine wirklich
wissenschaftliche Basis bekommen hat. — Für die Artdistinktion
haben ferner in neuerer Zeit und meiner Meinung nach mit vollem
Recht die Größenverhältnisse des Körpers und die relative Länge
ınd z. T. Dicke der Extremitäten und deren Glieder Verwendung
zefunden; wie aus den folgenden Beschreibungen ersichtlich, habe
ich diesen Verhältnissen noch größere Aufmerksamkeit, als es bisher
von anderen Autoren geschah, gewidmet und von allen Körperteilen
genaue Messungen eingetragen, um die relativen, komparativen
Dimensionen zu zeigen; wenn ältere Verfasser sich über diese Verhältnisse
nur in großen Zügen geäußert haben, z. B. daß „Metatarsus
IV doppelt so lang als Tibia“ oder „Cephalothorax kaum länger
als Patella -— Tibia IV“, so trage ich dagegen immer die genauen
Messungen in Millimeter ein, z. B. „Metatarsus IV 8, Tibia IV 4 mm“
oder „Cephalothorax 12,5 mm lang, Patella IV 4,3, Tibia IV 8 mm
lang“; die allgemeinen komparativen Folgerungen daraus ergeben
sich dann von selbst und brauchen nicht besonders weiter hervor-