Beiträge zur Kenntnis der Spaltenausfüllungen im
weissen Jura auf der Tübinger, Uracher und Kirchheimer
Alb.
Von Karl Weiger aus Oberkochen.
Mit Tafel I und 10 Textfiguren.
Einleitung.
Die von dem hellen Jurakalk durch ihre dunkle Färbung scharf
abstechenden Lehmablagerungen in den Spalten und Klüften der
Schwäbischen Alb erregten schon früh ‘das Interesse der Albbewohner.
Hauptsächlich der tiefrot oder ockergelb gefärbte und sehr feine
Bolus wurde schon im 16. Jahrhundert eifrig gesucht und als Medikament,
als „Axuntia solis“ oder als Terra sigillata verhandelt.
Besonderen Ruf genoß der Bolus „ex diciona Uracensi“, der von
dem abergläubischen Volk zur Heilung von allerlei Schäden und
Gebrechen an Mensch und Vieh für teures Geld erstanden wurde !
Mit dem Fortschritt der Kultur ging auch dieser eigentümliche Gebrauch
des Bolus zurück, obwohl nicht ausgeschlossen sein dürfte,
daß derselbe auch heute noch als „Sympathiemittel“ oder etwas
Ähnliches verwendet wird. Später wurden die in den Spalten angehäuften
Materialien mehr praktisch verwertet, der Bol wurde und
wird heute noch als Farbe oder als Glasur für Töpferwaren benützt,
die weiße, eisenfreie Abart des Bolus, die sogen. Walkererde, diente
zum Walken der Tücher oder wurde zur Fabrikation von Geschirr
verwendet, wie heute noch die „Treffensbucher“ Hafnererde. Die
feinen braunen Spaltenlehme eigneten sich ebenfalls gut zur Herstellung
gröberer Tonwaren. Die bohnerzführenden dunkelbraunen
Lehme wurden der Gegenstand lebhaften Bergbaus. Wie Hösun?
schreibt, wurde bei Seeburg in der Nähe von Uhenfels gelbes erzhaltiges
Gebirg abgebaut — es wird wohl Bohnerzlehm gewesen
ı Weiteres über die Verwendung des Bolus s, S. 197.
? Beschr. d. wirt. Alp. 1798. S, 323,