Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 66, 1910)

Zur Molluskenfauna der Kalktuffe. 
Von D. Geyer, Stuttgart. 
1. Im Ermstal (bei Urach, Seeburg und Glems). 
Die zahlreichen Aufschlüsse im Ermstal liegen alle in der 
Talsohle und reichen so weit in die Tiefe, als das Grundwasser die 
Ausbeute an hartem Baustein und losem Tuffsand gestattet. 
Der eine Fluß hat, von seitlichen Zuflüssen kaum unterstützt, die 
Kalkmassen abgesetzt und die in ihnen begrabene Fauna zusammen- 
getragen. Im harten Kalksinter sind es einzelne Schalen, die fest 
verkittet ein Herausschlagen kaum ermöglichen; der lose Sand da- 
gegen ist zuweilen reich an Einschlüssen. Größere Schalen können 
abgelesen werden; die kleineren gewann ich durch Schlämmen. 
Wenn nach reichlichen Niederschlägen die Gruben von unten her 
sich mit Grundwasser füllen, ist das Schlämmen bequem an Ort und 
Stelle auszuführen. 
Im Tuffsand liegen die Schnecken meist regellos zerstreut; 
zuweilen aber sind sie in den Höhlungen und Nischen des festen 
Tuffgesteins nesterweise angehäuft, je und je auch, bald in 
der Tiefe der Grube bald gegen die Oberfläche, zu langgezogenen, 
schichtenähnlichen Lagern vereinigt, wie sie bei den Über- 
schwemmungen der Flüsse entstehen. Der letztere Fall betrifft 
namentlich die am häufigsten auftretenden Wasserschnecken (Limnäen, 
Planorben, Valvaten), zu welchen sich einzelne Uferbewohner (Succineen 
und Hyalinien) gesellen. 
Der gelbliche Tuffsand geht nach oben allmählich in die Rasen- 
schicht über, und wenn die schwarzen Beimengungen von Rasen- 
erde in ihm auftreten, ändert sich auch seine Molluskenfauna: die 
Wassermollusken bleiben aus; Helix hispida, Pupa muscorum und 
pygmaea, Vallonia pulchella, im Tuff fehlend, treten in den oberen 
Lagen zu Helix arbustorum, welche hier noch häufiger ist als im 
Tuff. Die Behauptung der Arbeiter, der Reichtum an Schnecken
	        

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