Volltext: Deutsches Baugewerks-Blatt : Wochenschr. für d. Interessen d. prakt. Baugewerks (Jg. 46, Bd. 5, 1886)

Erfindungen. — Berichte aus verschiedenen Städten. 
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Die Wirkung des Ganzen ist daher sehr unruhig, während die 
einzelnen Theile für sich wahre Meisterwerke des Kunstgewerbes 
genannt werden können. Besonders schön sind die aus Elfenbein 
Jeschnitzten Karyatiden, welche auf Säulchen von lapis lazuli 
stehend, die weit vortretende Gesimsplatte des Kästchens tragen. 
Feruer fällt unter anderem eine Doppelthür in französischer 
Renaissance auf. Dieselbe ist aus verschiedenen Hölzern, als: 
Nuß-, Eichen-, Birnbaum-, Ebenholz ꝛc. zusammenßgesetzt. Die 
schwarzen Füllungen sind mit geschmackvollen Reliefs aus hellem 
Holze verziert; diese Verzierungen sind aber nicht etwa aufgeleimt, 
sondern wie die Jutarsien eingeschnitten (Relief-Intarsien). An 
einem anderen Möbel sucht man an einer Gesimsverkröpfung ver— 
geblich nach einer Fnge und eutdeckt schließlich, daß der betreffende 
Theil aus einem Stück geschnitzt ist. 
Bedeukt man ferner, daß nur vorzügliches und durch viele 
Jahre hindurch getrocknetes Holz zur Verwendung kommt, so ist 
es begreiflich, daß solche Möbel in 50, ja selbst in 100 Jahren 
auch noch keiner Reparatur bedürsen. Derartige Kunstmöbel sind 
nun allerdings nicht billig; so z. B. kostet die eben genannte 
Kredeuz 75 000 Fres., der Schreibtisch 25 000 Fres., die Thür 
20 600 Fres. ꝛc. Das sind freilich Preise, wosür man bei uns 
ganze Ausstattungen zu kaufen gewohnt ist, und das nur in Aus— 
nahmefällen. Trotz der hohen Preise wird versichert, daß der 
Reingewinn, den dieses Geschäft abwirft, ein ganz unbedeutender 
sein soll, was ja auch begreiflich, da die ausgezeichneten Arbeits— 
kräfte auch entsprechend bezahlt sind 
»orher gereinigt werden, was bei feineren am besten mittelst 
Petroleum und etwas gepulverter Kreide, bei gröberen mit Petroleum 
und etwas Schmirgel oder Sand geschieht. Der Preis ist Vik. 2 
ver Klogramm. 
Die Wirkung des erwähnten Fabrikats ist an mehreren eisernen 
resp. stählernen Gegenständen aus der Modellsammlung der hiesigen 
döniglichen Ober-Realschule erprobt worden. Es hat sich dabei 
ergeben, daß die mit Rostschutz-Mittel überzogenen Maschineumodelle, 
obwohl dieselben beim Gebranuch während des Unterrichts oftmals 
in die Hand geuommen wurden, bis jetzt gegen Rost geschützt 
waren, so daß sich das Schaal'sche Präparat hierbei vollkommen 
bewährt hat und für ähnliche Anwendungen empfohlen werden kann. 
Dagegen zeigte es sich an einigen im chemischen Laboratorium der 
genannten Anstalt befindlichen Gegenständen, welche zur Probe mit 
dem Rostschutz-Mittel bestrichen worden waren, daß dasselbe gegen 
die fortwährende Einwirkung sanrer Dämpfe, denen man die Gegen— 
stände ausgesetzt hatte, nicht auf die Dauer vollkommenen Schutz 
darbof 
Befestigung von Tapeten an nassen und feuchten 
Wänden. üach dem betr. Verfahren werden dünne Fournier— 
itreifen, sogenannte Schuhmacherspähne, aus Buchen- oder Föhren— 
jolz, von ca. 2 mmn Stärke, ca. 80 cm Länge und etwa 8 cmm 
Breite, zuerst senkrecht in den Ecken, dann wagerecht, die glatte 
Seite stets nach innen, an die Wand genagelt, und zwar so, daß 
das Ende des vorhergehenden Spahnes gleichzeitig mit dem darauf— 
iolgenden Anfange des nachfolgenden gestiftelt wird. Die wage 
recht zu legenden Spähne sind unter den senkrechten anzubringen 
Erstere sollen abwärts in Abständen von ca. ß em von einander 
gelegt werden. Wenn auf diese Art die ganze Wand oder ein Fleck 
derselben bespähnt ist, wird die Fläͤche mit Tapeziererleiuwand in 
senkrechter Richtuug straff überspanut und die Leinwand mit Nägelu 
hefestigt. Die Leinwand wird dabei mit ihren Räudern nur an— 
einanderstoßend gelegt, so daß keine Wulsten entstehen. Die Lein— 
vand darf unr auf den Spähnen befestigt werden. Kanten von 
Fenster- oder sonstigen Nischen müssen mit Spähnen eingehüllt 
verden. Ueber die so hergestellte Verkleidung der Mauer wird 
chließlich, wie üblich, Makulatur u. dergl. und daun die Tapete 
darüber gezogen. Am Sockel ist es gut, eine Bordüre oder ein 
Stäbchen zum Schutze der Tapeten und der Hohlspannung anzu— 
zringen. Wenn es sich nur um einzelne Wandtheile handelt, soll 
ie Vertäfeluung mindestens 20—25 cin über die feuchte Stelle 
jinausragen und die Leinwand noch weitere 5 cmn über die Ver— 
äfelung, letzteres, um Rippen zu vermeiden. Bei stellenweiser 
HDohlspannung empfiehlt sich dünnere Tapeziererleinwand. Zu be— 
nerken ist noch Folgendes: Die Mauer, an welcher Hohlspaunung 
ingebracht wird, muß von jeder Tapete frei gemacht werden, da 
diese Reste faulen. Die Umhüllung der Ecken geschieht dadurch, 
daß die Fourniere an den Ecken zusammenstoßen, so daß die Lein— 
vand nicht auf der Mauer aufliegen kann. Hinsichtlich der Ma 
kulatur werden mehrere Blätter, fett angeschmiert, bereit gehalten, 
damit sie weich werden und sich beim Anwischen strecken, so daß 
sie trocken vollkommen stramm anliegen. Dieselben müssen gut 
ibereinander anschließen. Nur auf trockene Makulatur soll die 
Tapete gebracht werden, und um sie zu trocknen, kann man auch 
etwas heizen oder Feuster öffnen. Die Breite des Rupfen soll 
nicht viel über 320—590 cm haben. Das Verfahren ist patentiert, 
uind ertheilt der Patentinhaber, M. Hueber, Buchhändler in 
Schrobenhansen (Bayern), jede nähere Auskunft. 
(Industrie-Blätter.) 
Komprimirte Luft. Der Direktor der Compagnie 
Gcénéralo des horloges ét forces pnenmatiques in Paris, 
Herr Victor Popp, hat an den Bersliner Meagisträt eine Eingabe 
gerichtet, „betreffend die Anlage eines Rohrnetzes behufs Ausnutzung 
der komprimirten Luft für die Haupt- und Residenzstadt Berlin, 
nach den in Paris bestehenden Einrichtungen.“ Die Anwendung 
beschränkte sich ursprünglich auf den pneumatischen Uhrendienst und 
dafür war schon im Jahre 1883 bei dem Berliner Magistrat die 
Konzession zur Legung eines Rohrnetzes nachgesucht, welches Gesuch 
damals von dem Dircktor der Fabrik für elektrische Uhren in Neu— 
—D 
ein Comité gebildet, um die Einführung des elektrischen Corre— 
—V 
Erfindungspatent des Wiener Ingenieurs Albert Mayrhofer zu 
bewirken, welcher in Paris sofortigen überraschenden Eingang fand. 
Es zeigte sich hier indeß kein Interesse für die Angelegenheit. Seit— 
denm hat sich nun aber durch die weiteren Versuche in Paris heraus— 
gestellt, daß die komprimirte atmosphärische Luft außerdem für die 
wichtigsten technischen und wirthschaftlichen Zwecke verwendbar, 
namentlich durch die Nutzbarmachung von billigen Betriebsmaschienen 
wesentlich zur Hebung der Kleinindustrie berufen sei; — daß die— 
selbe mit dem größten Erfolge zur Ventilation und zur Herstellung 
einer niedrigen Temperatur herangezogen werden könne — und 
daß ihre Zuführung zum brennenden Gase eine außerordentlich 
glänzende, durch Billigkeit hervorragende Beleuchtung liefere, auch 
dadurch das Problem der Verwendung des Gases zu Heizzwecken 
als gelöst zu betrachten sei. — Ueber diese verschiedenen Ausnutzungs— 
arten der komprimirten Luft verbreitet sich Herr Popp ausfuͤhrlich 
unnd hofft dadurch wie das „Deutsche Grundeigenthum“ meldet, auch 
in Deutschland Eingang für die neueren Erfindungen zu finden. 
Erfindungen. 
Neues Rostschutz-Mittel. Ein von Dr. Eugen Schaal 
in Feuerbach-Stuttgart hergestelltes Präparat soll Eisen und Stah! 
vollkommen gegen Rost schützen und besonders für Maschinentheile, 
für Eisen- und Stahl-Waaren, für Waffen, Gewehrläufe und sonstige 
beim Militär gebrauchte Gegenstände mit bestem Erfolg zu ver— 
wendeun sein. 
Alle bis jetzt gebrauchten Mittel wie Olivenöl, Baumöl, 
Knochenöl, Leinöl, Klauenfett, Talg, Schweinefett ꝛc. werden mit 
der Zeit ranzig, d. h. bilden Säuren, wodurch die damit eingefetteten 
Theile angegriffen, anstatt geschützt werden. 
Das Schaal'sche Fabrikat dagegen soll die Vorzüge haben, 
daß es auch feuchtwarmer Witterung, sauren Dämpfen und der 
Einwirkung von Salzwasser widersteht, sich gut mit Eisen- oder 
Metalltheilen verbindet und dieselben konservirt, daß es nicht ver— 
trocknet und daher weniger oft einer Erneuerung bedarf, wodurch viele 
Zeit, Mühe und Kosten erspart bleiben. 
Die Anwendung ist nach Angabe des Erfinders folgende: 
Das Rostschutz-Mittel wird mit einem reinen Lappen auf 
die betreffenden Gegenstände dünn aufgetragen und eingerieben oder 
man erwärmt dasselbe bis es dünnflüssig ist und streicht es dann 
mit einem Pinsel oder einer Bürste auf. Verrostete Theile müssen 
Berichte aus verschiedenen Städten. 
Berlin. Die Thüren an sämmtlichen Kirchen Berlins sollen 
etzt dahin abgeändert werden, daß ihre Oeffnung nach außen hin 
erfolgt. Es geschieht dies, wie die Kreuzzeitung bemerkt, auf polizei— 
liiche Anordnung. Bisher gingen bei den meisten Kirchen die 
Thüren nach innen auf. Würde einnial durch irgend eine Ver— 
inlassung ein lebhafter Andrang euistehen, um die Kirche zu ver— 
iassen, so würden ähnliche Unglücksfälle, wie sie bereits in änderen 
öffentlichen Gebäuden vorgekommen sind, leicht eintreten können. 
Die Neueinrichtung ist im Dom bereits zum Theil fertig gestellt. 
Stettin. (Strike der Tischler in Sicht.) In einer 
von der Lohnkommission der Tischler einberufenen und zahlreich be— 
suchten öffentlichen Versammlung wurde der Entwurf eines Tarifs 
herathen, nach welchem eine Erhöhung des Arbeits lohnes von 
10 pCt. stattfinden soll. Der Minimal-Wochenlohn soll, wie von 
der Versammlung nach dem Vorschlage der Lohnkom mission be— 
chlossen wurde, 15 Mk. betragen bei zehnstündiger Arbeitszeit 
Sollten die Meister sich weigern, diesen Lohn zu zahlen, so werden 
—WV
	        
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