Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 67, 1911)

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selbst gesammelt und beobachtet hätte. Diesen Zusammenhang 
zwischen natürlichen Lebehsverhältnissen und systema- 
tischer Forschung muß ich als notwendiges Erfordernis .um so 
mehr betonen, als ich nach dieser Richtung von den Untersuchungen 
aller meiner speziellen Forschungsgenossen. mehr: oder weniger un- 
befriedigt bin. 
Neuerdings schrieb mir ein Kollege, ich neigte jetzt dazu, die 
Arten enger zu fassen als‘ früher, ein Einwurf, den ich vollkommen 
begreife und welcher richtig und falsch zugleich ist, je ‚nachdem 
man ihn betrachtet. Damit kommen wir aber auf die Spezies- 
frage, über welche ich mich, bereits im 4. Aufsatz meiner. „Bei- 
träge zur‘ Kenntnis paläarktischer Myriapoden“ „ - Archiv fi Nat. 
Berlin 1896. Bd.'I.’H. 3. S. 188—190, ausgesprochen habe, wes+ 
halb ich darauf verweisen kann; Die damals von mir verfochtenen 
Grundsätze. können auch jetzt als Anweisung und Orientierung für 
die Auffassung. von Arten, Unterarten und Varietäten: gelten; 
aber. sie. bedürfen noch ‘ einer; wesentlichen. Ergänzung mit Rück- 
sicht auf die Variabilität. Damals stand mir nach dieser; Richtung 
noch nicht die genügende Erfahrung zu Gebote, jetzt, wo:ich Zehn - 
tausende von Myriapoden-Individuen mehr oder weniger eingehend 
habe prüfen können, muß ich : hinsichtlich - der Unterscheidung: der 
unteren systematischen Kategorien auf die Variabilität mehr Nach- 
druck legen. Wir müssen dann 
a) als Arten solche Individüengruppen betrachten !, welche 
scharf voneinander‘ getrennt sind, so daß sie mit keiner andern 
Individuengruppe, weder häufig noch selten durch Übergänge ver- 
bunden sind. In der Regel sind die Arten durch scharfe morpho- 
logische Merkmale charakterisiert. Bei den Opisthandria (GHlomeris) 
können auch geringfügige morphologische Merkmale zur Artcharakte- 
risierung genügen, vorausgesetzt, daß sie gemeinsam mit auffallenden 
Zeichnungsunterschieden auftreten, die sich auch‘ schon bei‘ den 
älteren Entwicklungsformen bemerkbar machen; Sn 
b) als Varietäten sind solche Individuengruppen zu bezeichnen, 
welche durch ein auffallendes Merkmal (oder auch mehrere) von der 
Grundform abweichen, aber durch Übergänge mit ihr verbunden 
sind. (Hinsichtlich der Tatsächlichkeit der Übergänge wird man 
sich nicht selten vorläufig mit einem Analogieschluß behelfen müssen.) 
Auf physiologische Artdefinitionen‘ brauche ich um so weniger‘ einzugehen 
als dieselben für eine praktische Systematik gar nicht‘ in Betracht‘ kommen 
können.
	        

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