Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 67, 1911)

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Bei Sigmaringen ist die Pflanze ebenfalls sehr gefährdet. Der 
Felsen hinter dem Klösterchen Gorheim, der noch in den Jahren 
1907 und 1908 die reine P. arenarıa und die P. super-arenaria X verna 
ziemlich reichlich beherbergt hat, ist im Jahr 1909 zu einem Stein- 
bruch benützt worden, und die meisten Fingerkräuter sind den ersten 
Sprengungen zum Opfer gefallen. An den Felsen des Mühlbergs sah ich 
aber bis jetzt nur einen kleinen, nicht einmal handgroßen Stock in 
einer: Felsenritze, von dem ich aber nicht angeben kann, ob er zur 
reinen Stammform oder zum Bastard gehört, da ich die Pflanze nicht 
eingesammelt, also auch nicht unter dem Mikroskop untersucht habe. 
Ein paar weitere Stöcke finden sich am Brenzkofer Berg. 
P. arenaria ist also eine bei uns im Aussterben begriffene Art. 
An allen Standorten, ausgenommen Untermarchtal, wo sie ebensogut 
ein Opfer des Weidegangs der Schafe geworden sein könnte, und 
Gorheim, wäre sie auch heute noch auf den Felsklippen vor dem 
Einfluß der Kultur und der Beschattung durch den Wald geschützt. 
Nun haben wir aber gesehen, daß die Pflanze bei uns über ihre 
normale Höhenlage emporgehoben ist, also unter klimatischen Ver- 
hältnissen steht, denen sie nicht gewachsen ist. 
Der letzte Standort an der oberen normalen Höhengrenze ist 
Ulm. Wenn wir nun im Donautal von Ulm bis Munderkingen auf- 
wärts gehen, so nimmt trotz der geringen Höhenzunahme von nur 
30 m die Temperatur im April um 1°, im Mai um 0,57°, im Juni 
um 0,68° ab (ScHopEr), also in diesen 3 Monaten, welche die Haupt- 
vegetationszeit unseres Fingerkrauts umschließen, um 67°, in der 
ganzen Vegetationsperiode (April bis Oktober) um 124°. Da die 
durchschnittliche Wärmeabnahme für je 100 m Höhenunterschied in 
Württemberg im April 0,62°, im Mai 0,55°, im Juni 0,57° beträgt 
(SCHODER), so würde das für unsere höchsten Potentill@a arenaria- 
Standorte in der Hauptvegetationszeit eine Wärmeabnahme von 146°, 
in der ganzen Vegetationsperiode von 263° ergeben. Legen wir aber 
für die Temperaturabnahme auf der Südseite der Alb die Verhältnisse 
der unter gleicher geographischer Breite liegenden meteorologischen 
Stationen Ulm und Münsingen zu Grund, so erhalten wir gar im April 
eine Wärmeabnahme von 0.68° im Mai von 1,06° und im Juni von 
0,76° für je 100 m Höhenunterschied. also für die höchsten Kolonien 
eine Wärmeabnahme von 210° in der Hauptvegetationszeit und von 
370° im ganzen Sommerhalbjahr. 
Hiervon muß nun die Wirkung der Nachttemperaturen ausge- 
schieden werden. Die Temperaturabnahme für je 100 m ist mittags
	        

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