Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 67, 1911)

LXXXI — 
aufzufassen ist, und während des Lebens nicht oder nur in unter- 
geordneter Menge in das sogen. Methämoglobin übergeht, das sich als 
Ferriverbindung erweist, während bei den einfachen Eisenverbindungen 
nur die dem Hämoglobin entsprechende Ferrostufe und die Ferristufe 
gut bekannt sind. Küster. 
Öberschwäbischer Zweigverein für vaterländische 
Naturkunde. 
Ausflug nach Bregenz am 13. Juli 1910, 
Die alte Römerstadt Bregenz mit ihrer jeden Naturfreund an- 
ziehenden Umgebung war das schon in der Hauptversammlung be- 
stimmte Ziel der Sommerexkursion am 13. Juli. Leider beeinträchtigte 
ein Vormittags auftretender Regen die Anzahl der Teilnehmer, allein 
die etwas kleine Schar von 20 wissensdurstigen Mitgliedern und Gästen, 
worunter mehrere Damen, ließen sich hierdurch nicht abschrecken, 
Unter Führung von Prof, Blumrich- Bregenz wurde um 11 Uhr der 
Gang angetreten, zuerst auf das Gebiet der römischen Ausgrabungen 
im alten Brigantium auf dem Ölrain, deren Fundergebnisse den wich- 
tigsten Teil der Sammlungen im Landesmuseum ausmachen. Das Aus- 
grabungsgebiet ist schon länger vollständig verebnet und zu landwirt- 
schaftlichen Zwecken benützt. Wie schade, daß nicht durch Offen- 
haltung der Grabstellen ein Klein-Pompeji entstehen und dem Publikum 
das Bild einer alten Römerstadt vorgeführt werden konnte! Von dem 
im Süden von Bregenz gelegenen Ölrain gings dann in östlicher Rich- 
tung gegen den Südabfall des Gebhardsberges auf die neue Reichs- 
straße nach Langen, welche einen guten Ausblick auf das Rheintal und 
unmittelbar auf die Verheerungen der Bregenzer Aach bei Kennelbach 
bietet. Nach Aufhören des Regens erschienen nach und nach die 
Flyschberge, Staufenberg, Hochälpele und die Kreideberge Schönermann, 
Hohe Kugel, Hoher Freschen u, a. Die Reichsstraße ist im Anfang in 
die untere Süßwassermolasse (Oberes Oligocän), späterhin bei Wirtatobel 
in die Meeresmolasse (Unteres Miocän) eingeschnitten. In 1'/2 Stunden 
ist der an der neuen Straße ausmündende Stollen (ca. 760 m Meeres- 
höhe) des seit einigen Jahren wieder in Betrieb befindlichen Bergwerks 
zu erreichen, von welchem die gewonnene Kohle nach Bregenz auf 
Wagen abgeführt wird. Wegen Zeitmangels mußte aber vom Besuche 
des Bergwerks abgesehen und ein zum Teil steiler Weg auf den Geb- 
hardsberg eingeschlagen werden. Die senkrechten, oft überhängenden 
Felswände der mächtigen, nach Nordwest geneigten Sandstein- und 
Nagelfiuhschichten bieten sehr malerische, mitunter groteske Partien, 
Besonders interessant war die Grenze zwischen Oligocän und Miocän, 
welche durch Auffinden von organischen Resten in weicher lettiger 
Schichte von blauer und gelber Farbe festgestellt werden konnte. Bei 
der regenreichen Witterung waren die Wasserfälle sehr wirkungsvoll. 
Vom Gebhardsberg aus erblickte man den Bodensee infolge Hoch- 
wassers in sehr vergrößerter Gestalt; im Rheintal waren noch Über- 
Jahreshefte d. Vereins f, vaterl. Naturkunde in Württ. 1911. 
3.
	        

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