Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 69, 1913)

Der Tannenhäher in Württemberg und sein letztes
zahlreiches Auftreten daselbst im Herbst 1911.
Von Walther Bacmeister in Heilbronn,
Von der Gattung Nucifraga kommen in Deutschland nach der
neueren Systematik zwei Formen vor: Nucifraga caryocatactes caryocatactes
 (L.) der dickschnäblige Tannenhäher und Nucifraga caryocatactes
 macrorhynchus Bream der dünn- oder schlankschnäblige
Tannenhäher. Auch Württemberg beherbergt diese beiden Formen:
die erstere als ständigen Brutvogel, die letztere als zeitweiligen
Wandergast. Beide bedürfen, viel Fesselndes bietend, auch fernerhin
 der Beobachtung, da noch manche offene Frage zu beantworten ist.
Über das Kleid des Tannenhähers, über sein Leben und Treiben
geben alle bekannteren ornithologischen Werke und eine ansehnliche
Spezialliteratur*! Auskunft. Auch die Unterschiede zwischen caryocatactes
 und macrorhynchus sind im allgemeinen bekannt: letzterer
hat einen schlankeren und spitzigeren Schnabel, spitzigere Flügel
und eine breitere weiße Schwanzbinde als der erstere; auch sind
die Schlankschnäbler an sich kleiner als die Dickschnäbler. Der dickschnäblige
 Tannenhäher brütet nach Ernst Hartert, „Die Vögel der
paläarktischen Fauna“, Bd. I S. 62, „in Skandinavien, Bornholm, Lappland,
 Finnland, den russischen Ostseeprovinzen, Ostpreußen, Polen,
dem Harz und Böhmerwalde, vermutlich auch im Thüringer Walde,
sicher im ganzen Alpengebiete, dem Jura, Siebenbürgen, der Tatra
und den Karpathen, jedenfalls auch in den Pyrenäen, aber wahrscheinlich
 nicht in der Sierra Nevada“. Diesen Angaben, die sich
auch in der Neuausgabe des Naumann in dem von HarTerTt bearbeiteten
 Abschnitt über den Tannenhäher vorfinden, dürfen wir hinzusetzen:
 auch im Schwarzwald, im württembergischen wie im badischen
Teile. Noch ein weiterer württembergischer Brut- und Standort
kommt, wie weiter unten auszuführen ist, hinzu, und für noch eine
andere Gegend in unserem Lande scheint mir ein ständiges Vorkommen
 sehr wahrscheinlich.

ı Zu vergl. die Arbeiten der Ornithologen V. Ritter von Tschusi zu
Schmidhoffen, R. Blasius, @. Vogel, R. Freiherr König von und zu
Warthausen, E,. Hartert, 0, Kleinschmidt, O0, Reiser u. a.
            
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