Die Verbreitung der Neckar- und Donaumuseheln
im Kocher- und Jagstgebiet.
Von Professor Dr. Heinr. Zwiesele.
Wie unseren württembergischen Geologen längst bekannt ist,
sind Kocher und Jagst einst durchs heutige Brenztal zur Donau
geflossen. In den Schriften von Dr. Exwiın Scheu („Zur Morphologie
der Schwäbisch-fränkischen Stufenlandschaft,“ Stuttgart 1909)
und H. Rzcx („Die Morphologische Entwickelung der süddeutschen
Schichtstufenlandschaft,“ Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Gesellschaft 1912)
ist der Beweis für diese „Flußumkehrungen“ erbracht worden.
Auch die Malakologie ist in der Lage, beweiskräftige Belege
für diese interessante Tatsache zu liefern. In dieser Hinsicht habe
ich schon seit vielen Jahren meine besondere Aufmerksamkeit den
Muscheln unserer württembergischen Gewässer zugewendet und mich
durch das von mir gesammelte Material davon überzeugt, daß Kocher
und Jagst in ihrem Oberlauf heute noch Donaumuscheln beherbergen.
In beiden Flüssen kommen folgende Süß wassermuscheln in Betracht:
Fam. Unionidae (OrTMAnN):
Unio tumidus REtTzIUS,
„ pictorum L.,
„ Ccrassus RETZIUS,
Pseudanodonta complanata RossMÄSSLER,
Anodonta cygnea L.
}. Unio tumidus Rertzius: von fast dreieckiger Form, in einen
kegelförmigen Schnabel ausgezogen, Wirbel aufgeblasen, mit 4—5 zickzackförmigen,
höckerigen Lamellen bedeckt.
Diese Muschel ist vom unteren Neckar in Kocher und Jagst
eingewandert und in der Jagst nur wenig über Heuchlingen, im
Kocher aber bis über Künzelsau hinauf vorgedrungen. Die Jagstand
Kocherformen gleichen denen des benachbarten Hauptflusses, des
Neckars.
Im untersten Kocher (oberhalb der Kochendorfer Brücke) findet
sich ein Unio tumidus mit abwärts gerichtetem Schnabel, dem Unio
humidus lauterborni Haas (siehe s. Arbeit „Die Najadenfauna des Oberrheins
vom Diluvium bis zur Jetztzeit,“ Frankfurt a. M. 1910) vollständig
ähnlich und daher wohl zu diesem zu stellen, sofern man