FÜR WÜRTTEMBERG
BADEN HESSEN ELSAS
S - LOTHRINGEN*
Stuttgart, 4. Mai 1907
Inhalt: Kontinuierliche Balkenbrücken aus Eisenbeton. — Gehö^Slag^^^ Anty^ime alter Bauwerke.
— Die Toilette des Gartens. — Pfändbarkeit von Baugeldern.; *
Kleine Mitteilungen. — Personalien. —
u. — Wettbewerbe.
Kontinuierliche Balkenbrücken auf^Hsenheton
Von Dipl.-Ing. S. Zipkes, Zürich
Kabelbrücke über den Mühlgrünkanal
in Cannstatt-Stuttgart
Alle Rechte Vorbehalten
2.15
Kür die neue Umformer Station des Elektrizitätswerkes
in Cannstatt mußten Kabeltrommeln und Maschinen über
den das Inselland mit der Kanalstraße verbindenden hölzernen
Steg transportiert werden. Da aber der bestehende,
sehr primitiv in Holz hergestellte Steg diesen Lasten
nicht gewachsen war, entschloß man sich, den Mühlgrünkanal
mit einer eisernen, tragfähigen Brücke zu überspannen.
Hierzu sind neben den Vorschlägen, welche die
Ausführung einer eisernen Brücke vorgesehen haben,
auch zwei solche aus Eisenbeton vorgelegt worden. Zu
Vergleichszwecken geben wir auch den Vorschlag für
eine eiserne Brücke wieder (Abb. 1). Aus ökonomischen
Gründen — die Eisenbetonbrücke war billiger veranschlagt
als die eiserne — wie auch mit Kücksicht auf die nahe bevorstehenden
Kabelverlegungsarbeiten, die nur Offerten mit
kurz bemessenen Lieferfristen verlangte, entschloß man sich
zur Ausführung einer Eisenbetonbrücke
, die diesen
Forderungen entsprechen zu
können versicherte. Dies
traf auch zu.
Der Kanal wird durch
eine Mittel wand zum Zwecke
der Kraftgewinnung getrennt,
wodurch man für die neue
Brücke eine ungewünschte
Mittelstütze erhielt. Es
wurde demnach ein Projekt
für eine Eisenbetonbrücke
ausgearbeitet, wobei der
Kanal mit einer Oeffnung
überspannt vorausgesehen
war. Dieses Projekt, das
wir als Variante auf der
Tafel wiedergeben, wurde von den in
Frage kommenden Behörden für zu kühn
gehalten, und erhielt eine Brücke mit
zwei Oeffnungen den Vorzug (s. Ansicht
auf der Tafel). Die zur Ausführung . genehmigte
Brücke weist 2 Oeffnungen von
je 5,16 und 9,12 m bei einer Gesamtlänge
von 17,08 m auf. Die Fahrbahnbreite beträgt
3 m und ist zu beiden Seiten mit
Laufstegen von je 0,80 m versehen. Unter
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diesen befinden sich in speziell hierzu hergestellten
Kasten die Kabeln. Die Brücke besteht aus sechs
durchlaufenden, gleich tief gelegten gerippten Plattenbalken;
vier davon sind mit obenliegender Platte verbunden,
welche dann die Fahrbahn bilden. Unter den
Laufstegen wurde die Platte als Boden, der zur Tragung
der Kabel dient, ausgebildet, so daß die zwei äußersten
Rippen mittels untenliegenden Platten verbunden sind.
Zur leichteren Zugänglichkeit dieser Kabel wurden die
gerippten Plattenbalken mittels frei aufliegenden, leicht
hebbaren Platten von 70 cm Breite und 1 m Länge und
mit Muschelgriffen versehen, überdeckt. Längs der gerippten
Plattenbalken wurden eiserne Schienen (Winkeleisen)
eingebettet.
Die Belastung besteht aus einer gleichmäßig verteilten
Verkehrslast von 360 kg/qm und einer konzentrierten Last
von ca. 5 t, herrührend von einer Kabeltrommel oder
einem Wagengewicht von 8 t.
Die beiderseitigen Laufstege sind für die Aufnahme
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Abb. 1