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Die Eröffnung der ersten Zentralstation der städtischen Elektriziiätswerke in Berlin. — Stallgebäude zu Auwald in Westpreußen.
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Die Eröffnung der ersten Fentralstation der städtischen Elektrizitätswerke in Berlin.
Von C. Veiffhoven.
Vor Kurzem ist nunmehr der Betrieb der ersten Zentral—
tation der städtischen Elektrizitätswerke in der Markgrafenstraße
»röffnet worden. Man kann bereits heute übersehen, daß man allen,
dei dieser großartigen Installation Betheiligten aufrichtig zu dem
isherigen Erfolge Glück wünschen darf.
Von der neuen Zentralstation aus wird auch das Königliche
Schaufspielhaus seit seiner Wiedereröffnung am 15. August 1885
ruf der Bühne sowohl als in sämmtlichen übrigen Räumen mit
Glühlicht versorgt. Die Zentralstation liegt im Hinterhause des
Grundstückes Markgrafenstraße 44 und enthält 5 Dampfkessel mit
e 173 qm Heizfläche, welche für den Betrieb von 6 Dampf—
maschinen von je 150 Pferdekräften bestimmt sind und bei vollem
Betriebe neben dem entsprechenden Kohlenquantum stündlich 240 cbm
Wasser zur Kondensation des Dampfes erfordern. Hinsichtlich der
Feuerungsanlagen, Kessel und Kondensation hat die Nachbarschaft
zis jetzt keine Veranlassung gehabt, sich über Belästigung durch
Dampf oder Rauch seitens des mächtigen Schornsteins zu be—
scchweren. Die große Wassermenge wird durch 4 abessynische
Brunnen geliefert, welche theils auf dem Grundstücke der Zentral—
tation selbst, theiis auf dem Gensdarmenmarkte liegen. Das
sondensationswasser wird durch besondere Rohrleitungen in den
nn der Charlottenstraße befindlichen Nothauslaßkanal abgeführt,
weil Kondensationswässer nicht in die Röhren der städtischen
danalisation geleitet werden dürfen.
Unter den auf starken eisernen Trägern und kräftigen Mauer—
zewölben ruhenden Dampfkesseln sind in Gruppen zu je drei die
echs Borfig'schen rasch gehenden Dampfmaschinen aufgestellt. Jede
der 6 Maschinen setzt von einem breiten Schwungrad aus 2 der
12 Dynamomaschinen unmittelbar durch Riemen in Umdrehung.
Zur Verminderung des Geräusches und Vermeidung des Riemen—
rutsches sind einzelne Riemscheiben versuchsweise beledert. Die
Dynamomaschinen, jede für den Betrieb von 500 Glühlampen
2 16 Normalkerzen bestimmt, sind nach dem bewährten Edison—
ystem erbaut und von Siemens u. Halske ausgeführt. Jede
Htaschine ruht auf einem Holzfundamente und kann auf eisernen
Schienen auch während des Betriebes verschoben werden, wenn
in Nachlassen der Riemenspannung dies wünschenswerth erscheinen
assen sollte. Die von den Dynamomaschinen erzeugten Ströme
werden durch starke Kupferstangen nach dem Schaltraume geführt,
velcher sich inmitten des Maschinenraumes befindet und außer—
identlich zweckmäßig angeordnet ist. Auf einer Längsseite befinden
ich 45 Hebel zum Ein⸗- und Ausschalten der Dynamos, auf der
ntgegengesetzten diejenigen, an welche sich die Hauptstraßenleitungen
inschließen. Unter den Schalthebeln für die Dynamos befinden
sich die Widerstandsregulatoren, welche beliebig mit einander ver—
hunden werden können, darüber sind Apparate angebracht, welche
die jeweilige Leistung jeder Stromerzengungsmaschine erkennen
assen, die Lampenzähler. An der Schmalseite des Schaltraumes
zefinden sich verschiedene akustische und optische Signale zur Be—
ybachtung der elektromotorischen Kraft und Stromstärke, sowie ein
Apparat zur Einschaltung von je 25 Glühlampen in die soge—
iannten zwei Lampenbatterien, welche mit ihren je 500 Gluͤh⸗
ampen in einem zu dem Ventilationsschacht führenden Tunnel
intergebracht sind.
Sobald bei Beginn des Betriebes das Tachometer anzeigt,
daß die erste Dampfsmaschine mit den ihr zugehörigen Strom—
erzeugungsmaschinen die erforderliche Geschwindigkeit erlangt hat,
verden zwei der betreffenden Hebel eingeschaltet und hiermit der
Strom von 500 Lampen durch das Straßennetz in die Verwen—
zungsstellen geleitet. Nachdem die betreffenden Apparate anzeigen,
)aß der erzeügte Strom nahezu verbraucht wird, setzt man die
rächste Dynamomaschine in Betrieb. Der Strom der Dynamo—
maschinen wird aber nicht sofort in die Straßenleitungen, sondern
zur Lampenbatterie geführt, da andernfalls derselbe aus ersteren
in die langsamer gehenden Maschinen zurückkehren, diese beschaͤdigen
»der mindestens ein Zucken der in den Häusern brennenden Lampen
erursachen könute. Erst wenn die elektrischen Verhältnisse der
ieuen Maschinen mit den bereits in Thätigkeit befindlichen identisch
geworden sind, erfolgt die Einschaltung in das Straßennetz. Steigt
her Lichtbedarf über 1000 Lampen, dann wird die zweite Dampi—
naschine mit ihren beiden Dynamos in ähnlicher Weise in Betrieb
zesetzt u. s. . Da bei Verringerung des Konsums die Aus—
chaltung in umgekehrter Reihenfolge erfolgt, so sind immer nur
d viel Dampf- und Dynamomaschinen gleichzeitig in Thätigkeit,
ils erforderlich sind und gerade hierin liegt die Vorzäglichkeit, ja
man kann wohl sagen die Möglichkeit eines wirthschaftlichen Be—
riebes einer derartigen gewaltigen Zentralanlage.
In den Schaltraum hinein führen die 68 einzelnen Kabel,
)eren jedes nahezu die Stärke eines Mannesarmes hat. Die
dabel treten von der Straße zunächst alle parallel in einem be—
onderen Kanale in das Grundstück der Zentralstation ein. Ehe
ie in den Maschinenraum ebenfalls wieder parallel eintreten,
iegen an einer bequem zugänglichen Stelle die sämmtlichen Ueber—
kreuzungen der Kabel.
Die maschinellen Einrichtungen sind von der deutschen Edison—
Besellschaft in General-Entreprise ausgeführt worden. Dieselbe
jat die Dampfkessel, Dampfmaschinen u. s. w. von Borsig, die
Dynamomaschinen von Siemens und Halske bezogen. Die nicht
ninder schwierige Aufgabe der Herstellung und Verlegung der
dabel ist von der Firma Siemens und Halske ausgeführt.
Die einzelnen Kabelstücke werden durch trefflich konstruirte End—
zerschlüsse, welche vollkommen frei in gegen Eindringen von
Feuchtigkeit wohlgeschützten Kästen ruhen, miteinander verbunden.
die Isolation der Kabel ist vortrefflich. Jedes Kabelende trägt
außerdem einen, an eine leicht zugängliche Stelle nach außen ge—
ührten Prüfungsdraht, mittels dessen sich die in den verschiedenen
Vertheilungskästen jederzeit obwaltenden Spannungen während des
Betriebes leicht kontroliren lassen. Bei dem hohen Isolations—
»ermögen der Kabel kann ein etwa eintretender Erdschluß lange,
ꝛhe der Fehler für die Stetigkeit des Betriebes irgendwie bedenklich
wird, nach den gewöhnlichen Meßmethoden seiner Lage nach bis
auf ven Meter genau ermittelt und hierauf beseitigt werden. Die
Kabel selbst sind in den Straßen so tief verlegt, daß eine Ver—
etzung derselben durch die häufig wiederkehrenden Arbeiten an
Pflaster, Gas und Wasserleitung kaum zu befürchten ist.
Von den Schwierigkeiten, welche bei einer so großartigen
Anlage nicht nur in technischer, sondern mehr noch in ädministra—
iver Hinsicht zu überwinden waren, wird außer den unmittel—
zar Betheiligten wohl kaum Jemand eine Vorstellung zu machen
m Stande sein. Jedenfalls bedurfte es des Zusammenwirkens
iner äußerst umsichtigen und energischen Direktion mit der größten
zIntelligenz der betheiligten Ingenieure, um die ganze Einrichtung
n einer Weise herzustellen, welche nach menschlichem Ermessen den
Eintritt ernster Störungen ausschließt.
Wie bemerkt war die Anlage ursprünglich auf 6000 Lampen
jemessen. Da seit der Disposition der Anlage der städtischen
Elektrizitätswerke eine von der Deutschen Edison-Gesellschaft er—
vorbene, zuverlässig funktionirende Bogenlampe für Parallel—
chaltung zugänglich geworden ist, wurde der ursprünglich für die
Aufstellung von Bogenlichtmaschinen in Aussicht geuommene Raum
disponibel und gestattet nunmehr die Aufstellung weiterer Glüh—
ichtmaschinen für den Bedarf von abermals 1200 Lampen. Da
iber voraussichtlich niemals alle Lampen gleichzeitig in Thätigkeit
ein werden, dürfte es wohl möglich sein, noch einem Theile der
ahlreichen Nachfragen nach Lampen nachträglich gerecht zu werden.
welche bis jetzt nicht berücksichtigt werden konnten
Stallgebäude zu Auwald in Westpreußen.
(Hierzu 9 Fiauren)
Das in Rede stehende Gebäude enthält:
) einen Stall für 7 Pferde 7,76. 522.... 40,35 qm.
2) einen Schweinestall mit 5 Buchten 7,76. 3,6
2. 033... 5 . . . 32,28 qm.
3) einen Entenstall mit Brutraum 1,82 (3,78 - 1,50) - 9,61 qm.
einen Gänsestall nebst Brutraum 1,82 (6,10 4 2,63) * 13, 89 qm.
Latus 96,13 qm.
5) einen Fremdenpferdestal 3,4. 2,7
6) einen Gerätheraum 3,4. 3,81.
Pransport 96, 13 qm.
12,58 qm.
-12,95 qm.
Im Ganzen 121,66 qm.
Der Hühnerstall befindet sich über dem Raum für Gänse
und Enten.