Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 74, 1918)

Pflanzengeographische Untersuchungen aus Ober- 
schwaben. 
Von Karl Bertsch in Ravensburg. 
Mit 90 Bildern im Text. 
1. Die oberschwäbischen Hochmoorpflanzen. 
Zu den merkwürdigsten Erscheinungen der oberschwäbischen 
Pflanzendecke gehören die Hochmoorbildungen. Schon ihre reiz- 
vollen Anpassungen haben die Aufmerksamkeit der Pflanzenfreunde 
auf die eigenartigen Gewächse gelenkt, die ‚sie zusammensetzen, 
Aber auch pflanzengeographisch zeigen sie überaus anziehende Ver- 
hältnisse. Möge diese Arbeit zu ihrer genaueren Kenntnis beitragen. 
Die Hochmoore bedecken meist viele Hektar große Flächen. 
Trotzdem werden sie nur von wenigen Pflanzen zusammengesetzt. 
Fast alle sind deshalb ganz hervorragend gesellige Pflanzen, die 
nur sehr selten in andere Pflanzengesellschaften übertreten. Andere 
Arten halten sich in Oberschwaben an die Nähe des Hochmoors. 
Sie bewohnen vor allem die Hochmoorränder und die Übergangs- 
bildungen oder gehen von hier in die anschließenden Moorwälder 
über. Aber nur selten entfernen sie sich weiter vom Hochmoor. 
Deshalb wurden sie ebenfalls in die Bearbeitung aufgenommen. 
Diejenigen Pflanzen dagegen, deren Hauptverbreitung in Ober- 
schwaben außerhalb der Hochmoore liegt, wurden weggelassen, auch 
wenn sie mit ziemlicher Regelmäßigkeit ins Hochmoor eintreten. 
In Oberschwaben wird das Hochmoor gewöhnlich „Moos“ 
genannt, in der Mehrzahl „Möser“. So lernen wir kennen: Schwendi- 
moos, Finkenmoos, Reichermoos, Fürenmoos, Gründelmoos, ja oft 
kurzweg das Moos. Im Gegensatz dazu steht das „Ried“. Diesem 
ist zwar hie und da ein Hochmoor aufgesetzt, aber stets schließt 
sich dann ein weites Flachmoor an, das durch die Streunutzung 
wirtschaftlich große Bedeutung hat, besonders dorf, wo durch 
Rückgang des Getreidebaus der Strohmangel empfindlich ist. Es
	        

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