Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 74, 1918)

1902 
und Eriophorum vaginatum blühen und fruchten reichlich. Auf den 
freien Stellen im Moos hat Drosera rotundifolia seine mit glänzenden 
Perlen besetzten Blätter ausgebreitet. Aber tonangebend bleibt die 
Bergkiefer, Pinus montana. Die Sphagnum-Rasen, die besonders 
von roten Arten zusammengesetzt sind, werden bisweilen unter- 
brochen von Polytrichum strictum, Dieranum Bergeri; Cladonia 
rangiferina und andere Cladonien-Arten. Im Gegensatz zur vorigen 
Zone möge diese Pflanzengesellschaft als „offener Bergkiefernbestand“ 
bezeichnet werden. Die Buschform der Bergkiefer wird auch Kuschel 
genannt. Wir sagen also künftig kurz „Kuschelbestand“. 
Wir dringen tiefer ein ins Moor. Die Bergkiefern treten 
zurück. Sie lassen Lücken von 5—10 m zwischen den einzelnen 
Stöcken. Die dichtgeschlossenen Syphagnum- Polster wölben sich 
nicht mehr zu einzelnen gerundeten Kissen auf. Die herrschende 
Pflanze wird Eriophorum vaginatum. Seine dichten Horste sind in 
kleinere Triebe aufgelöst. Sie sind so zahlreich, daß alles verhüllt 
wird, wenn der Wind vor der Fruchtreife die großen, schimmern- 
den. Wollköpfe wiegt. Andromeda polifoli@a bildet große Herden 
mit lauter senkrecht gestellten Zweigspitzen, die nur fingerlang aus 
dem Moos herausschauen. Ihre schmalen Blättlein sind den Zweigen 
angedrückt und kehren die weißen Unterseiten nach außen, so daß 
sie auffallende Flecken bilden. Vacecinium oxycoccus aber überzieht 
dicht die höheren Sphagnum- Polster. Ihre Blätter sind kleiner 
und schmäler geworden und stehen senkrecht in die Höhe, so eine 
einzige Blattreihe bildend. Sie weichen auf diese Weise dem allzu 
greilen Sonnenlicht des offenen Moores aus. Hier ist das Haupt- 
gebiet der Carex pauciflora. Dieses kleine Zwerggräslein tritt in 
großer Menge bald in Gruppen, bald in einzelnen Stücken unter 
das Eriophorum und entzieht sich so leicht den Blicken. Genaues 
Suchen an richtiger Stelle hat deshalb seine Standorte so: sehr 
vermehren lassen. Nach der vorherrschenden Pflanze nennen wir 
diese Pflanzengesellschaft „Wollgrasbestand“ (Vaginetum). 
Gegen die Mitte wird das Moor überaus naß und zu Regen- 
zeiten ist es hier kaum betretbar. Die Torfmoose (Sphagna) verfügen 
immer über genügende Wassermengen. Sie sind deshalb nicht allzu 
starker Belichtung ausgesetzt und bedürfen keines Lichtschirms. 
Seine Aufgabe hat das Wasser übernommen. Die rote Farbe der 
Sphagnum-Rasen verschwindet deshalb. An die Stelle der roten 
Arten treten andere von gelblichgrüner Farbe. Auch die häufigeren 
Blütenpflanzen passen sich dieser Farbengebung an, so daß die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.