Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 74, 1918)

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geschäftigen Vorstandsmitglieder, der jedem Teilnehmer in liebens- 
würdigster Weise entgegenkam, auf etwaige Anliegen bereitwilligst 
einging und freundlichste Auskünfte erteilte oder vermittelte, der 
die wissenschaftliche Sitzung ebenso wie das anschließende Mittags- 
mahl durch gehaltvolle Vorträge bezw. durch treffliche Tischreden 
belebte, der auf Exkursionen wie beim Schoppen durch belehrende 
und launige Unterhaltung zu fesseln wußte, kurz, der in jeder 
Richtung zu einem schönen und befriedigenden Verlauf der Ver- 
anstaltung beitrug. Und wer einen tieferen Einblick in das Ge- 
triebe des Vereins gewann, konnte bald feststellen, daß das Wirken 
dieses Mannes für den Verein sich nicht auf seine Tätigkeit bei den 
Versammlungen beschränkte, daß auch daheim in seinem Arbeits- 
zimmer im Naturalienkabinett die Fäden zusammenliefen, die einer- 
seits die weit zerstreuten Vereinsglieder zu einem Organismus 
zusammenschließen und andererseits diesen mit der Außenwelt ver- 
binden. Er konnte auch erfahren, daß L. es war, der als junger 
Assistent zusammen mit 6 älteren Vereinsmitgliedern die für das 
geistige Leben im Verein so bedeutungsvoll gewordenen „wissen- 
schaftlichen Abende“ in Stuttgart ins Leben rief, und daß er es 
war, der viele Jahre hindurch für die Entwicklung und das Ge- 
deihen dieser neuen Einrichtung eifrigst Sorge trug. 
Bei alledem zeigte es sich, daß ihm, dem mit dem Vereins- 
leben in allen seinen Verzweigungen aufs innigste verknüpften 
langjährigen geschäftsführenden Vorstand, die Leitung und Förderung 
der Vereinsangelegenheiten in der Zeit seiner Amtsführung nicht 
nur eine durch Wahl auferlegte Verpflichtung , sondern geradezu 
die Befriedigung eines starken inneren Bedürfnisses war. 
Wer von uns hätte es daher nicht als einen schweren Verlust 
für den Verein empfunden, als an jenem Montagmorgen dieser 
eifrige Förderer unserer Vereinssache unerwartet bald aus diesem 
Leben abberufen und uns seine treue Mitarbeiterschaft, seine viel- 
seitigen Kenntnisse und Erfahrungen und seine stetige Hilfsbereit- 
schaft auf immer entrissen wurden. ; 
Der Schmerz um diesen Verlust fand vollen Ausdruck, als 
am 23. Januar ein außerordentlich zahlreiches Trauergeleite sich 
in der Kapelle des Pragfriedhofs und an der mit Palmen dicht 
umstellten, von mildem Wintersonnengold überfluteten letzten Ruhe- 
stätte um den mit prächtigen Kränzen reichgeschmückten Sarg 
scharte, und zahlreiche Ansprachen, darunter auch die unseres Vor- 
sitzenden, Professor Dr. Sauer, und des Schreibers dieser Zeilen,
	        

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