Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 74, 1918)

XXIV — 
der Gothaer Talsperre, zur Aufsuchung von Rohrbrüchen in München, 
im Kaliwerk Riedel, sowie in und bei Halle anläßlich des Rutengänger- 
tages besprochen. Redner kam zu dem Ergebnis, daß die Rute nicht 
abzulehnen sei, daß aber eine Erklärung über Wesen und Zustande- 
kommen der Wünschelrutenerscheinungen zurzeit noch nicht gegeben 
werden könne. Die Frage werde erst entschieden werden können, 
wenn es gelingt, den unfähigen Rutengängern (Schwindlern u. dergl.) 
das Handwerk zu legen. Axel Schmidt. 
In der sich anschließenden Besprechung trat Prof. Dr. Sauer 
dafür ein, daß die Wünschelrutenfrage nicht eigentlich ein geologisches, 
sondern ein physikalisches bezw. psycho-physiologisches Problem sei 
und eingehender Prüfung von zuständiger fachmännischer Seite bedürfe. 
Auffallend sei, daß die Rute zurzeit nicht nur auf Wasser und Erze, 
sondern überhaupt auf alles technisch Wichtige und Wünschenswerte, 
wie Oel u. dergl. reagiere. Ueberraschend sei ihre Unterscheidung 
zwischen Kalisalzen und Kochsalz. Oberbaurat Canz teilte einige von 
ihm beobachtete positive Erfolge der Wünschelrute bei ‘Arbeiten der 
Kulturinspektion mit und Prof. Dr. Endriß, der sich nicht nur als 
Anhänger der Wünschelrute, sondern selbst als Rutengänger bekannte, 
trat auf Grund seiner eigenen Erfahrungen warm für die Wirksamkeit 
der Rute ein, die jedoch nicht. unter allen Umständen in Erscheinung 
trete, sondern in hohem Grade von der augenblicklichen Disposition 
des Rutengängers abhänge. Ein Erfolg lasse sich nicht erzwingen. Die 
Erscheinung selbst sei eine solche der Psyche, des Lebens, und sei wie 
dieses zurzeit noch nicht zu ergründen. EB. 
Sitzung am 13. Mai 1918. 
Zu Beginn der Sitzung warf der Vorsitzende, Prof. Dr. Sauer, 
Zunächst einen kurzen Rückblick auf die Tätigkeit des Vereins während 
des letzten Jahres und gedachte mit warmen Worten der Männer, die 
ihm während dieser Zeit durch den Tod entrissen wurden. Schmerzlich 
bedauert der Verein den Hingang dieser Mitglieder, die sich teils, wie 
Öberstudienrat Dr. Lampert, Medizinalrat Dr. Kreuser, Pfarrer 
Joseph Müller u. a., um das Vereinsleben und um die vaterländische 
Naturkunde insbesondere, teils, wie Prof. Dr. Gustav Jäger und 
Prof. Dr. v. Vöchting, um die Wissenschaft im allgemeinen hohe 
Verdienste erworben haben. Die Anwesenden ehrten das Andenken der 
verstorbenen Mitelieder in üblicher Weise. 
Sodann sprach Prof. Dr. H. E. Ziegler über die Selektions- 
Jehre im Lichte der neueren Vererbungslehre. 
Seit DARwır’s Zeiten ist die Vererbungslehre erheblich weiter aus- 
gebaut worden. Aus diesen Fortschritten haben manche Forscher (z. B.
	        

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