Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 75, 1919)

XXXIY — 
die Wasser, wenn der Unterbilanz des Landes in seinem Wasser- 
haushalt entgegengetreten werden soll, zurückgehalten werden. 
Am wirksamsten ist es, wenn jeder einzelne Farmer auf seinem 
Grund und Boden Staudämme anlegt. Dies war aber bei der Farmer- 
schaft nicht zu erreichen; deshalb hat die Regierung die Sache selbst 
in die Hand genommen und ein Stauprojekt großen Stils ausgearbeitet, 
das mit dem Ertrag der Diamantenregie in die Tat umgesetzt werden 
sollte. Die bis. dahin geübte Wassererbohrung mit oder ohne Wünschel- 
rute ist Raubbau, der sich mit zunehmender Besiedelung in steigendem 
Maße fühlbar macht und zum Bankerott im Wasserhaushalt des Landes 
führen muß. Die Erfahrungen während der Okkupation des Landes 
haben dies bestätigt. Infolge des größeren Wasserverbrauchs sank der 
Grundwasserspiegel ganz erheblich und eine ganze Anzahl von Brunnen, 
die bis dahin ergiebig flossen, versiegte. 
Als geeignete Gegend zur Wasseransammlung wurde der Fisch- 
fluß und sein Einzugsgebiet gewählt. Einmal hatte der Süden das 
Wasser am nötigsten, da in ihm erheblich weniger Wasser fällt als in 
der Mitte und im Norden des Landes; und sodann eignet sich das z. T. 
tief eingeschnittene Fischflußrevier zur Anlage von Dämmen und Stau- 
anlagen ganz besonders. Zwischen den Stauanlagen sind Grundschwellen 
und Sperren gedacht, so daß das Ganze ein zusammenhängendes System zur 
Aufsammlung von Millionen von Kubikmetern Wasser darstellt, mit denen 
viele Tausend Hektare angrenzenden Landes bewässert werden konnten. 
Der Plan war, dieses Land als Kleinsiedelungsland aufzuteilen. 
Der Engländer hat das Stauprojekt zurückgestellt, angeblich weil 
er keine bevorzugten Farmstellen schaffen will, in der Hauptsache wohl 
deshalb, weil er dies alles, besonders aber die Wassergewinnung, der 
Privatinitiative überläßt.‘ Auf dem Zwangsweg hat er es erreicht,‘ daß 
allein im Bezirke Windhuk 150 neue Wasserstellen entstanden sind. 
Also die Sache geht, wenn sie muß. 
Wir haben die Wasserfrage zuerst erörtert, weil sie die wichtigste 
ist. Und sie ist deshalb die wichtigste, weil von ihr die Haupt- 
ausnutzung des Landes, nämlich zur Viehzucht, abhängt. 
Viehzucht ist ohne geordnete Wasserwirtschaft nicht möglich. Wo diese 
aber eingeführt ist, hat jede Art von Viehzucht einen ganz vorzüglichen 
Standort. Solf nannte einmal das Land ein überreiches Land. 
Das ist ganz richtig. Ganz abgesehen von den Diamanten und sonstigen 
Edel- und Halbedelsteinen, die dort gewonnen werden, abgesehen von 
seinen reichen Mineralschätzen, besonders an Cu, vielleicht auch an 
Kohle, den Eindruck des Überreichtums bekommt jeder, der eine voll- 
bestockte Farm besucht und die stattlichen Großviehherden, aus 800 bis 
1500 Stück bestehend, sieht, die zahllosen einheimischen Fettschwanz- 
schafe und Ziegen und die stattlichen Wollschafherden von mehreren 
tausend Stück wertvollen Materials. Die Viehzucht bildet in der 
Tat auch das Rückgrat des Landes und auf ihr beruht 
seine Zukunft, 
Aus den Zeiten des Aufstandes sind in Deutschland nöch allerlei 
Gerüchte im Umlauf, als drohten der afrikanischen Viehzucht unheimliche
	        

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