Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 75, 1919)

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und schwer zu bekämpfende Viehseuchen. Es hängt dies mit der 
Tatsache zusammen, daß während des Eingeborenenaufstandes die 
Rinderpest und später einmal die Schafpocken eingeschleppt und 
von der Sache zum Schaden der Kolonie ein ganz unnötiges Authebens 
zemacht wurde. Erfährt jemals die Welt davon etwas, wenn in Nord- 
indien die Rinderpest oder in Südindien oder Rhodesien die 
Lungenseuche oder in Natal das Ostküstenfieber ausbricht, oder wenn 
in Australien Millionen von Schafe infolge der Dürre eingehen? 
Nein! Der Viehbestand in Südwest ist einer der gesündesten, 
die es gibt. Es herrschen dort unter .den Rindern keine anderen 
Seuchen als bei uns auch: der Milzbrand, verursacht und verbreitet 
durch die Verwahrlosung der Wasserstellen durch die Herero und Farmer, 
der Rauschbrand, wie er auf unseren Almen vorkommt. Ebenso 
sporadisch im Norden die Lunge nseuche durch einheimisches Ovambo- 
vieh eingeschleppt. Und alle diese Seuchen lassen sich wirksam nach 
unsern heimischen Methoden bekämpfen. Es herrschen aber nicht die 
Tuberkulose, die unter dem einheimischen Vieh ganz unbekannt ist 
und die Maul- und Klauenseuche., Die durch Zecken ver- 
ursachten Erkrankungen der Rinder, das Ostküstenfieber und 
Texasfieber treten nicht auf und bilden vorläufig auch keine Gefahr, 
solange die Luftfeuchtigkeit in Südwest nicht zunimmt. 
Unter den Pferden kommt der Rotz und die Räude, ‘die 
Brustseuche und Influenza vor. Spezifisch afrikanisch ist ’die 
Pferdesterbe, die ab und zu große Verluste verursacht. Aber sie 
sind erträglich und hatten bisher im ganzen nur die Wirkung, die Preise 
der Pferde stabil zu erhalten, so daß ihre Zucht nicht auf ein un- 
rentables Maß heruntersank. 
Unter dem Kleinvieh ist es hauptsächlich die Räude und 
Lungenwurmseuche; letztere verursacht durch das Tränken der 
Tiere an offenen Wasserstellen. Unter den Schweinen die Schweine- 
seuche ab und zu durch Schweine aus Kapstadt eingeschleppt. 
Der gute Gesundheitszustand der, Tiere ist ja auch nicht er- 
staunlich angesichts der extensiven Bewirtschaftung, der freien, natür- 
lichen Haltung und der mehr quantitativen als qualitativen Zuchtrichtung. 
Die Rindviehzucht. Bestand im Jahre 1913: 205 600 (gegen 
52500 im Jahre 1907). Die Vermehrung ist eine sehr rasche, ca. 60—65 % 
im Jahr. Die Fruchtbarkeit eine regelmäßige; Mehrgeburten sind 
selten. Seuchen, welche die Zucht beeinträchtigen, z. B. Knötchen- 
seuche, seuchenhafter Abortus, unbekannt. Zum Schutz des 
Eigentums: hat die Regierung ein Viehbrandgesetz eingeführt, 'eine 
Maßnahme, die bei dem freien Weidebetrieb notwendig ist. Jeder 
Farmer bekommt für sein Vieh eine Art Schutzmarke, die ‚eingebrannt 
wird und jederzeit Besitzer und Herkunftsort kenntlich macht; 
Zuchtziel: Arbeit und Fleisch. Arbeit, weil der Zugochse 
das wertvollste. Spanntier ist und am meisten zur Erschließung von 
Afrika beigetragen hat. Als Produkte wurden ausgeführt: Butter, 
Häute, Talg; Hörner und Klauen (meist durch Vermittlung englischer 
Händler). Da die Ausfuhr von lebendem Vieh nach Südafrika ge-
	        

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