Il. Original-Abhandlungen und Mitteilungen.
Beitrag zur Deutung der Frage des Aufbaus des
oberen weißen Jura in Schwaben.
Von Fritz Musper, Heidenheim a. d, Br,
Mit 12 Textfiguren.
Noch immer bildet die Stufe des weißen Jura Epsilon, wozu
QuensTepDT (1) neben „Marmor“, „Zuckerkorn“ und „Dolomit“
auch die Korallenkalke und „Oolithe“ gezogen hat, eine
Anzahl Rätsel in der Deutung ihres Aufbaus.
Enczr (2, 3) und O. Fraas (4, 5) sind geneigt, die Entstehung
dieser Glieder als in der Hauptsache aus Korallenriffen hervorgegangen
anzunehmen. SCHMIERER (6) hat gezeigt, daß die vornehmlich
korallenführenden Schichten, die Korallenkalke von Nattheim
u. a. Gegenden, sowie die ebenfalls teilweise Korallen in
Menge einschließenden Oolithe des schwäbischen weißen Jura, welche
QuEnstEDT bei der Aufstellung der Stufe noch zu Epsilon rechnete,
da sie stets das tonige Zeta vertreten, einem höheren Horizonte,
Zeta angehören. In diesen Schichten sind uns die Korallen, wie
die übrigen Einschlüsse — verkalkt oder verkieselt — in meist
vorzüglicher Erhaltung überliefert. Halten wir in den uns von
Epsilon übriggebliebenen Gliedern nach Korallen Umschau, so
finden wir, daß der „Marmor“, den wir mit BERCKHEMER (7) „dichten
Felsenkalk“ nennen wollen (im Gegensatz zum kristallinen Zuckerkorn),
sowie „Zuckerkorn“ und „Dolomit“ ganzer Gegenden so gut
wie keine Korallenreste aufweisen. Es gibt manchmal Korallen,
lokal sogar sehr viele, z. B. im dichten Felsenkalk von Gussenstadt,
doch sind dies Ausnahmen. Meist finden wir von Korallen keine
Spur. Das ist merkwürdig. Die Möglichkeit der Erhaltung war
ja zweifellos da. Und oft genug sehen wir auch keine Spur von
anderen Fossilresten, insbesondere, wenn wir ein frisches Gestein
danach untersuchen. Was baut nun die mächtigen Felsenkalke
denn sonst auf?
Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1919.