Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 76, 1920)

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Tümpelchen an. Diese Wellen fanden aber die früheren Bildungen bereits 
so erhärtet, daß sie ihnen nichts mehr anhaben konnten. Der von ihnen 
mitgebrachte Sand verschüttete die Bildungen und erhielt sie so als 
heredtes Zeugnis der Sedimentationsvorgänge zur Anfangszeit des 
schwäbischen Liasmeeies. 
VIL Weite Verbreitung der Bildungen. 
Auch die „Muschelförmigen Wellenfurchen‘“ sind keine vereinzelte 
Bildung. Nach einer Mitteilung von Herrn Dr. geol. H. EHRAT kommen 
sie auch im Angulatensandstein von Denkendorf südlich Eßlingen an 
mehreren Stellen vor, und zwar ebenfalls mit den Kügelchen und Stein- 
kernen zusammen. Noch an anderen Stellen wird man sie zu erwarten 
haben, doch geht aus der Art ihrer Entstehung hervor, daß sie nicht 
überall genau gleichaltrig sind, ebensowenig wie die Tropfenplatte und 
andere Gebilde. Chemische und mechanische Beschaffenheit des Sedi- 
ments, Konfiguration des Strandes, Stärke des Wellenschlags, klimatische 
Einflüsse sind ausschlaggebend auf ihre Entstehung, nicht ein bestimm- 
ter Zeitnunkt. 
VIIL. Die Bildungsdauer der Sandsteine. 
Es mag vielleicht auffallen, daß hier eine ganze Anzahl von Sedi- 
mentationsvorgängen geschildert ist, die sich in den kurzen Zeiten von 
Tagen und Wochen abspielten, während wir doch gewohnt sind, in 
den Sedimenten Absatzprodukte unermeßlich langer Zeiträume zu 
sehen. Wenn wir in der Jetztzeit die Entstehung einer Sandsteinbank 
mit Kreuzschichtung beobachten, mag sie sich unter Einwirkung des 
Wassers an einer Flußmündung oder unter dem Spiegel der Flachsee, 
unter Einwirkung des Windes in den Dünen der Wüste oder des Strandes 
bilden, stets ist sie das Werk einer kurzen Zeit, oft nur von Stunden 
oder Minuten. Das, was die langen Zeiträume in Anspruch nahm, die 
unendlich sich wiederholenden Umlagerungen, das bleibt uns ebenso 
verborgen wie die Zeiten, in denen überhaupt nichts zur Ablagerung 
gelangte. Es fehlt uns daher jeder Maßstab zur Abschätzung oder 
Bildungsdauer einer aus mehreren Bänken zusammengesetzten Sand- 
ablagerung. Brechen in eine Depression die sandbeladenen Wellen 
eines transgredierenden Meeres ein, so kann in kürzester Zeit das ganze 
Becken erfüllt sein: ebenso werden in einem schnell sinkenden Gebiet 
die Sande sich rasch anhäufen und nur relativ wenige Umlagerungen 
erfahren. Für den Angulatensandstein habe ich wenigstens Spuren 
einer Umlagerung zeigen können, aber keine lange Pause trennte hier
	        

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