Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 76, 1920)

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werden bei näherer Erforschung nicht mehr als ungeregelte Ausartungen, 
als ganz selbständige „Erwerbungen“ vereinzelter Tierformen, sondern 
als konstitutive Bestandteile im Bauplan der Wirbeltiere angesehen 
werden müssen. 
Die typischen Organisationen aber erscheinen nicht als durch An- 
passung bestimmt. Denn sie sind die Grundlage, auf der Anpassung als 
ein auswählend bald erhaltender, bald ausmerzender (aber nicht schöpfe- 
rischer) Faktor überhaupt erst möglich ist. Wo ihr Ursprung und ihre 
Gesetze zu suchen, ist eine Frage für sich. So wird sich Forschung 
wie theoretische Deutung, trotz Darwinismus und Lamarckismus mit ihren 
zahlreichen Abarten, noch lange um das Problem zu bemühen haben, 
das schon Goethe in den Versen kennzeichnete: 
„Also bestimmt die Gestalt die Lebensweise des Tieres, 
Und die Weise zu leben sie wirkt auf alle Gestalten 
Mächtig zurück.“ 
Rauther. 
Sitzung am 26. Januar 1920. 
Der Vorsitzende teilte mit, daß der Ausschuß das langjährige 
Ausschußmitglied und zeitweiligen Vereinsvorstand Herrn Geh. Hofrat 
Prof. Dr. August von Schmidt in Anerkennung seiner vielfachen 
Verdienste um die Wissenschaft und um den Verein zum Ehrenmitglied 
des Vereins ernannt und ihm die künstlerisch ausgestattete Urkunde 
hierüber anläßlich seines, 80. Geburtstags am 1. Januar d. J, überreicht 
habe, was von der Versammlung mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde. 
Sodann hielt Baurat a. D. Dittus einen Vortrag über „Bau, 
Bildung und wirtschaftliche Bedeutung der ober- 
schwäbischen Torfmoore mit besonderer Berücksichti- 
gung des Wurzacher Rieds“, 
Nach kurzer Besprechung der Entstehung des Torfs schilderte 
Redner eingehender das große, nordwestlich von Wurzach sich erstreckende 
Flachmoor, das bei einer Länge von 5—6 km und einer durchschnitt- 
lichen Breite von 3,5—95,5 km, eine Fläche von 1900 ha einnimmt und 
somit das größte oberschwäbische Ried darstellt, das übrigens an einigen 
Stellen den Charakter von Uebergangs- und Hochmooren aufweist. Redner 
gab eine gedrängte Uebersicht über die floristischen, faunistischen und 
mineralogischen Eigentümlichkeiten, um sich dann ausführlich über die 
geplante großzügige Ausbeutung der in dem Ried enthaltenen gewaltigen 
Torfmassen zu verbreiten, die auf rund 5100000 t trockenen Brenntorfs 
geschätzt werden. Die Schwierigkeiten, die sich der notwendigen Ent- 
wässerung entgegenstellen, können entweder durch "Tieferlegung der 
Wurzacher Ach um rund 6 m oder mittels Durchtunnelung der Moräne- 
barre auf der Nordwestecke in der Richtung auf Eggmannsried und 
somit Ableitung des Wassers in die Umlach und Riß überwunden werden. 
Redner befürwortete den letzteren Weg und besprach dann weitere Einzel- 
heiten, woran sich noch eine kurze Besprechung weiterer Moore, wie
	        

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