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aus letzterem kommt hin und wieder ein Bos brachyceros ams
Tageslicht.
Leber- oder Leuchttorfe und ähnliche sind dem Verfasser aus
dem Federsee-Ried bis heute nicht bekannt geworden.
Das ist das Bild des Federsee-Ur-Rieds, wie es noch heute auf
grösseren Flächen zu sehen ist, die freilich schnell genug der Torf-
nutzung zum Opfer gefallen sein werden.
Alljährlich werden grosse Flächen in Kultur genommen, mit
grossen und kleinen Wasserabzugsgräben durchfurcht, die Legforchen
werden gerodet, die Bodenstreu wird abgeschürft, das Ganze ver-
ebnet; und wo kaum noch der Birkhahn falzte und die Kreuzotter
zischte, da ertönt jetzt der schrille Pfiff der die Maschinentorfappa-
rate bewegenden Lokomobilen; nur wenige Meter von der alten
Pfahlbau-Niederlassung entfernt ist dem Moor ein moderner Riesen-
Pfahlbau entwachsen, die der K. Staatsfinanzverwaltung gehörige
Torfstreufabrik, deren Maschinen- und Kesselhaus, Fabrikationsgebäude,
Magazine, Schuppen, Menage- und Schlafhütten auf mehreren hundert
zum Teil über 9 m tief ins Moor eingerammten Pfählen ruhen.
Wo in vorgeschichtlicher Zeit wenige Individuen mittels der
Steinaxt in mühsamster Weise ihre Pfähle bearbeiteten und ihre
Pfahlhütten darauf errichteten, stehen heute stolze, nach dem neuesten
Stand der Technik errichtete Gebäude; wo die einstigen Pfahlbauern
mit Jagd, Fischerei, etwas Viehzucht und Landbau in ärmlicher
Weise ihr Dasein fristeten, da sind heute beim Torfbetrieb mehr als
200 Arbeiter beschäftigt; auf Stahlbahnen von über 5 km Länge
gleiten Dutzende von Rollwagen dahin, schneidig dampfen die Loko-
mobilen, während mit imponierender Ruhe die Dampfmaschine der
Torfstreu-Fabrik die Herstellung der Torfstreu und des Torfmulls
vermittelt. die grosse Zentrifugalpumpe treibt und der Zirkularsäge
ihre lieblichen Töne entlockt!
So das Bild von „Sonst und Jetzt“!