Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 77, 1921)

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wicklungsreihe: Lindelberg, Galberg, Verrenberg, ersterer nur abgeschnürt, 
der mittlere schon mit eingesunkener Schilfsandsteindecke (ähnlich wie 
bei Asperg und Weibertreu), der Verrenberg hat auch diese verloren. 
Weit im Vorland ragen noch solche Zeugenberge auf (Asperg, Lemberg). 
In Schwaben sind Stubensandstein-Randberge verbreiteter als in Franken. 
Die Liaskuppen auf der Hochfläche des Stubensandsteins liegen in aus- 
gesprochener Flußferne. Die Muschelkalk platte löst sich am Rande 
in eine unruhig wellig-kuppige Landschaft auf mit allen Anzeichen starker 
chemischer Zerstörung (rotbrauner Lehm, Bohnerz, Hornstein). 
Beim Rückwärtsschreiten der Steilstufen wurde das Flußnetz der 
Tafelflüsse angegriffen und umgestaltet. Wir sehen es heute noch 
auf der Frankenhöhe, wo Altmühl und Wörnitz in weiten, flachen Tal- 
auen stark mäandrierend mit geringem Gefäll (1—'/s °/oo) dahinschleichen. 
Die Täler sind im Sand erstickt, die Wasserscheide zwischen gleich 
gerichteten Flüssen z. T. auf niedrige Schilfsandsteinpässe erniedrigt und 
g0 die Talebenen netzartig verbunden, während in den Maschen des 
Netzes stehengebliebene Blasen- (oder Kiesel-) Sandsteintafeln sich erheben 
(so bei Colmberg). Wir haben hier ein uraltes Tafelflußsystem vor uns 
(wohl unsere älteste Landschaft) mit ausgeglichenen Flußprofilen, ver- 
ringertem Einzugsgebiet und daher kleinerer Wassermasse, Da die zu- 
geführte Schuttmenge nicht entsprechend abgenommen hat (ob Hebungen 
oder Senkungen auch mit hereinspielen, ist nicht sicher nachgewiesen), 
schütten die Flüsse nur auf, besonders vor ihrem Eintritt in die Jura- 
pforte (Parallele zu den Goldshöfer Sanden). Schreitet der Stufenrand 
zurück, so wird eine immer breitere Randzone der Hochfläche mit all 
ihren Formen zerstört, also auch die Oberläufe der Tafelflüsse. Am 
heutigen Steilrand beginnen sie daber mit ihrem früheren Mittellauf: 
einem 4—600 m breiten, flachen, bis zum Schilfsandstein eingesenkten 
Tal mit geringem Gefäll: das Tal ist geköpft. So sind sämtliche acht 
rechten Seitentäler der Wörnitz zwischen Ellrichshausen und Franken- 
heim geköpft, auch ihr eigener Oberlauf. Ebenso der Oberlauf der Alt- 
mühl und zwei rechte Seitentäler. Der alte 'Talboden dicht nördlich 
Schillingsfürst, über 1 km breit, ist geologisch (Gipskeuper) der tiefste 
Punkt der Wasserscheide Rhein—Donau (abgesehen von der ‘oberen 
Donau). Durch ihn floß wohl einst ein großer Fluß in die Keuperpforte 
herein. Der Oberlauf der Rezat, die früher zur Donau ging, ist so 
gründlich geköpft, daß sie auf einer breiten Schilfsandsteinebene in einer 
4 km breiten Lücke der Kieselsandsteinberge entspringt. Einsam erhebt 
sich dort der Petersberg (Lehrbergschicht) als Zeuge. Zwischen den 
Adern der Tafelflüsse und dem Stufenrand wurde so der die einzelnen 
Tafelberge verbindende Bergrücken zerstört; eine ganze Reihe von 
Zeugenbergen entstand, perlschnurartig, hufeisenförmig aneinänder ge- 
reiht. Auch wenn die Tafelflüsse heute nicht mehr zur Donau gehen 
(selbst wenn sie früher nie dorthin gingen), haben wir doch dieselben 
Erscheinungen, so in den Waldenburger Bergen zwischen Biber und 
Kocher, in den Limpurger Bergen zwischen Fischach und. Bühler, im 
Schönbuch zwischen Goldersbach und Ammer (nördlich Hohen-Entringen), 
in den Heilbronner Bergen zwischen Schozach und Sulm— Pfühlbach, Die
	        

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