Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 77, 1921)

XII 
Hufeisenanordnung kehrt wieder in den Muschelkalkrandbergen bei Münk- 
lingen— Simmozheim. und bei Walddorf (0A, Nagold), in den Buntsand- 
steinrandbergen im ‚oberen Murggebiet. 
Weit seltener und weniger auffällig sind die Umlaufberge. Fluß- 
schlingen in der Ebene sind verbreitet, erzeugen aber keine Berge. 
Diese. entstehen erst, wenn der Flußlauf sich einsenkt, das Tal die 
Schlingen mitmacht. Notwendig‘ dafür ist‘ ein ‚hartes Schichtgestein 
(Hauptbuntsandstein, Hauptmuschelkalk, Oberer Weißjura), d. h. ein 
bestimmtes. Verhältnis zwischen Seiten- und Tiefenerosion, wodurch die 
Mäander dauernd weiterwachsen. Ferner eine gewisse Wassermenge, 
von der die Größe der Mäander abhängt. Während die Mainschlinge 
bei Volkach den Lauf um 10 km verlängert, der Neckar bei Mauer 
seinen Weg um 12 km verkürzte, haben die Mäander im oberen Neckar- 
und im Nagoldgebiet nur 1—2 km Schlingenlänge. Umgekehrt läßt sich 
aus der Größenordnung der Schlingen auf die frühere Wasserführung 
schließen, die bei Nagold, als der Fluß rund 80 m höher floß als heute 
and den Umlaufberg „Teufelshirnschale“ abschnürte, wesentlich größer 
gewesen sein muß als heute. Die Entwicklungsreihe der Umlaufberge 
läßt sich deutlich verfolgen: 1. Ein Talsporn, mit breiter Wurzel mit 
der Hochfläche zusammenhängend (Rothenburg); 2. Das Verbindungsstück 
verschmälert, aber noch nicht eingesattelt (Haigerloch); 3. Weitere Ver- 
schmälerung und daher Einsattelung (Neuberg bei Gelbingen, Neuenbürg); 
4. Durchbruch des Sporns, alter Lauf bei Hochwasser noch überflutet 
(Weißenstein bei Pforzheim, künstlich); 5. Tieferlegung des neuen Tales, 
Ausräumung des Altlaufs durch Seitenbäche (Komburg bei Hall); 6. Zer- 
störung des Umlanfbergs bei Verbreiterung des Tals, Amphitheater in 
der Talwand. Daß fertige Umlaufberge im Muschelkalk viel häufiger 
sind als im Buntsandstein und Keuper, hängt mit der größeren Durch- 
lässigkeit des Hauptmuschelkalks zusammen. 
Durchbruchsberge entstehen, wenn die Talwände von Haupt- 
und Seitental sich schneiden, bis schließlich eine Ablenkung des Seiten- 
baches erfolgt. Durchbrüche selbst sind in der Trias nicht sicher nach- 
gewiesen (Friedensberg bei Hall?), dagegen ist Einsattelung sehr ver- 
breitet: Sattel bei Criesbach, Lemberg bei Nagold (zwischen alter Nagold 
und Waldach), bei Tullau zwischen altem Kocher und Luckenbach., 
Macht ein Fluß ein scharfes Knie, so entstehen ähnliche Formen 
(Schloßberg bei Nagold, Hackstberg zwischen Altbach und Würm hei 
Schafhausen). 
Tektonische Berge sind wesentlich seltener. Die geologische 
Landesaufnahme hat in Sehwaben eine Reihe festgestellt: Rotenberg, 
Schnarrenberg, Radberg bei Magstadt etc.). Wo größere Verwerfungen 
einen Stufenrand schneiden, entstehen leicht freistehende Berge. So 
durch die Fränkische Furche die Kieselsandsteinberge Rotberg und Ram- 
holz. Ferner der Karlsberg bei Crailsheim, der Doma bei Stammheim. 
Wo eine Verwerfung ein mäandrierendes Flußtal schneidet, können beide 
zusammen Berge erzeugen. So der Sandberg bei Mistlau, die Altstadt 
von Kirchberg und Stöckenburg an der Bühler, für feste Siedlungen 
besonders geeignet. Warner.
	        

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