Full text: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 77, 1921)

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38. Hauptversammlung am 2. Februar 1921 in Aulendorf. 
Im geschäftlichen Teil wird mitgeteilt, daß dem Zweigverein 
148 Mitglieder angehören; er besitzt ein Vermögen von 675 Mk. 24 Pf,, 
wovon: 280 Mk. Inventar-Wert laufen. Das von def neueintretenden 
Mitgliedern erhobene Eintrittsgeld wird auf 5 Mk. erhöht, der jährlich 
mit. dem Vereinsbeitrag von 10 Mk. erhobene Ortszuschlag auf 2 Mk. 
festgesetzt. Der seitherige Vorsitzende, Med.-Rat Dr. Groß, wird wieder 
gewählt. Als Schriftführer und Kassier wird Forstrat Schmid-Wolfegg 
gewählt, In den Ausschuß werden die Herren Rektor Bruder-Biberach, 
Baurat a. D. Hiller- Friedrichshafen, Prof. Dr. Seitz- Ravensburg, 
Öberinspektor Schips-Ochsenhausen und Reallehrer Bertsch-Ravens- 
burg wieder bezw. neu gewählt. 
In dem sich anschließenden wissenschaftlichen Teil sprach zunächst 
Direktor Dr. M. Schmidt- Stuttgart „Über den Ölschiefer in 
Württemberg“. 
Nach kurzem Überblick über geologische Entwickelung und Ver- 
breitung der Formation im Lande wurden vor allem an der Hand zahl- 
reicher Lichtbilder die reichen und herrlich erhaltenen Reste ihrer 
Lebewelt vorgeführt, die eine Zierde unserer Museen bilden. Problema- 
tische, tangähnliche Reste im „Seegrasschiefer“, dann zweifellose Pflanzen 
vom Habitus unserer Lebensbäume, Seelilien, ganze Schichten erfüllende 
Muschelschwärme, papierdünn zusammengepreßte Ammoniten, Belemniten, 
Fische und endlich die berühmten, aus unseren Schiefergruben in die 
Museen der ganzen Welt hinausgehenden vollständigen Skelette mächtiger 
Saurier zogen in bunter Folge vorüber. 
Ein zweiter Teil des Vortrages behandelte die Versuche, den Öl- 
gehalt, der dem Reichtum der Schichten an organischen Einschlüssem 
entstammt und jetzt in einem Teil des Schiefers in Form von Bitunen 
gebunden ist, zu gewinnen oder sonst zugute zu machen. Nach ihrem 
Wirkungsgrad, d. h. nach dem Verhältnis der gewonnenen Wärmeeinheiten 
zu den vorhandenen, wurden nebeneinandergestellt: die Verbrennung der 
Schiefer zu Heizzwecken, das Abschwelen zur Ölgewinnung, das Ent- 
gasen zur Herstellung von Leuchtgas und schließlich das Vergasen. Bei 
der letzteren Art der Verwertung entsteht im Regenerator neben Öl vor 
allem ein Gasgemisch zur Erzeugung elektrischer Energie und dazu eine 
Schlacke, aus der ohne Zementzusatz brauchbare Kunststeine erzeugt 
werden können. Man darf hoffen, daß. auf diesem letzten Wege zum 
Wohle des Landes eine wirtschaftliche Form der Ausbeutung der ge- 
bundenen Ölvorräte gefunden werden wird. Zum Schluß wurde auch auf 
zu Heilzwecken aus dem Rohöl der Liasschiefer hergestellte Präparate 
hingewiesen. M. Schmidt. 
In einem zweiten Vortrag behandelte Herr Oberinspektor Schips 
von ÖOchsenhausen das Thema „Mondwerdung und Eiszeit“, 
Die vielen Hypothesen, welche zur Erklärung der Eiszeit schon auf- 
gestellt wurden, befriedigen nicht. Darum wird versucht, die Eiszeit in 
Verbindung zu bringen mit der Entstehung des Erdenmendes im Sinne
	        

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