Il. Original-Abhandlungen und Mitteilungen.
Das Schopflocher Ried und seine Bedeutung für die
wissenschaftliche Klassifikation der Böden.
Von Paul Keßter in Tübingen.
I. Hälfte.
Das Schopflocher Ried ist der einzige Punkt auf der Alb, wo sich
Hochmoor findet. Riede trifft man zwar auch an verschiedenen anderen.
Stellen auf der Alb, so in den Talsohlen mehrerer Donauzuflüsse, wie im
Brenz-, Blau- und Schmiechentale und im Donautale selbst, ferner an
der einen Quelle der Schmiecha an der Geifitze unweit Onstmettingen
und im Dürbheimer Ried, aber das sind alles Flach- und Zwischenmoore *,
In der näheren Umgebung des Schopflocher Rieds ist m. W. nirgends
Torf vorhanden. Zwar erwähnt DEFFNER? verschiedene Stellen auf
Blatt Urach, wo es Torfgründe geben soll, doch scheint es hier sich, soweit
Verf, die Gegend kennt, nur um anmoorige Stellen zu handeln. Gibt
doch auch QuENSTEDT? an, daß auf dem Moorgrund „Knausbirnenbäume,
welche zwei Mann kaum umspannen“, wachsen. Nach BRANCA*
liegt z. B. bei Hengen allerorts nach Aussage der Dorfbewohner schon
bei 2—5 Fuß Tiefe der vyulkanische Tuff.
I. Die Bedeutung des Rieds für die bodenkundliche
Klassifikation.
Besonderes Interesse hat das Ried neuerdings wieder dadurch gewonnen,
daß R, LANG die dortige Torfbildung zur Stütze seiner Annahme
macht, daß sich an die klimatische Bildung von Rohhumus und Bleicherde
bei geringeren Niederschlägen und stärkerer Verdunstung unmittelbar
die der klimatischen Schwarzerden anschließe, während die klimatischen
Braunerden erst unter weniger feuchtem Klima entstehen sollen. Auf
der Alb soll nach LAnG durchweg klimatische Schwarzerde liegen, im
Schopflocher Ried, dem feuchtesten und zugleich einem der kühlsten
Punkte der Alb, soll sich, durch das Klima veranlaßt, allerdings auf
undurchlässiger Unterlage, ein Hochmoor entwickelt haben, weil auf der
Hochfläche der Alb dort gerade die Grenze zur Rohhumusbildung schon
Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1922, '