Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 7-8, 1851-1852)

IN. Aufsätze und Abhandlungen,

Meine Hausthiere *).

Vielleicht ist es den Naturfreunden unseres Vaterlandes nicht
uninteressant, wenn ich sie in meinen Garten einführe, von dem
ich einen grossen Raum einer Anzahl seltener Thiere eingeräumt
habe. Der kleine Vorhof ist für das Geflügel bestimmt. Ich
kann hier nicht umhin, Landwirthen die grossen schwarzen sogenannten
 belgischen Hühner zu empfehlen, welche sehr fleissig
Eier legen, nicht lange mit Brüten sich aufhalten, und ihre Lebhaftigkeit
 durch unermüdetes Suchen und Scharren beweisen.
Die besten sind die durch Kreuzung dieser Art mit einer schwarzen
 gewöhnlichen Henne gewonnenen Hühner. Doch findet hier
auch ein Reiherpärchen (Ardea cinerea) und ein Wespenbussard
 (Buteo apivorus) sein Fulter und gewiss seinen passenden
 Aufenthalt.
Die Reiher werden meist mit grossen Stücken rohen
Fleisches gefüttert, lieben es jedoch, wenn man ihnen ihr Futter
in ein Wasserbassin wirft und, wie wenn sie einen Fisch fangen
wollten, zielen sie alsdann zuerst nach einem Stück und lassen
dabei, ohne eine Bewegung des übrigen Körpers, nur den gekrümmten
 Hals darnach schiessen. Ihr Futter theilen sie meist
in allem Frieden miteinander, und glaubt der eine je und je
zu kurz gekommen zu sein, so gibt er seine Unzufriedenheit
nur durch einen rauhen trompetenartigen Ton zu erkennen. Unter
sich leben sie auch sonst auf dem freundschaftlichsten Fusse
und es gibt sich besonders das Männchen alle Mühe, sein Weibchen
 durch kurz hintereinander ausgestossene Töne zu unterhalten,
 auch ihm durch sanftes Zwicken seines Schnabels Beweise

*) Herr G. Werner zu' Stuttgart, dessen gefälliger Mittheilung
wir diese Notizen Verdanken, hat seit längerer Zeit neben seinem Hause
einen kleinen zoologischen Garten eingerichtet und gibt nun hier die
Resultate seiner Beobachtungen über die von ihm unterhaltenen Thiere.
Wir sind ihm für die Mittheilung der, für die Kenntniss der psychologischen
 wie der physischen Erscheinungen in der Thierwelt gleich interessanten
 Wahrnehmungen sehr dankbar und können vur wünschen,
dass er dieselben mit seinem bisherigen Eifer und seiner sehr guten
Beobachtungsgabe fortsetzen möge, A, d. R.
            
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