GERMAN J. KRIEGLSTEINER
stand hingewiesen. Es wird Aufgabe für 1980 und später sein, durch Aus-
weitung und Verlagerung der Aktivitäten unserer Kartierer diese Lücken
rasch zu schließen.
In Ostwürttemberg, in Ulm, im Allgäu etablierten sich Mykologische
Arbeitsgemeinschaften eigens zum Zweck der pilzgeographischen Erfor-
schung, anderswo widmen sich Einzelne dieser Aufgabe. Zu ihnen gehört
Dr. H. Haas, der uns die Ergebnisse seiner jahrzehntelangen Begehungen
des Ostschwarzwaldes, Schönbuchs, Oberschwabens u.a. zur Auswertung
übergab. Allen Mitarbeitern sagen wir unseren herzlichen Dank.
Die Arbeitsgemeinschaften kartieren übrigens auf MTB-Quadrantenba-
sis, d.h. viermal genauer als hier gefordert. Als Beispiel sei die AMO (Ar-
beitsgemeinschaft Mykologie Ostwürttemberg) angeführt, die auf der Basis
von KRIEGLSTEINER 1973 „Die Pilze des Welzheimer Waldes und der Ost-
alb“ arbeitet; sie besteht aus etwa 20 Pilzfreunden, welche zwischen
Schorndorf und Backnang im Westen, Schwäbisch Hall und Dinkelsbühl
im Norden, Nördlingen und Neresheim im Osten, Giengen und Weilheim
im Süden arbeiten und 24 MTB regelmäßig, 12 weitere MTB sporadisch,
somit über 4500 qkm = 20% der Fläche Württembergs betreuen.
Die Pilzkartei der AMO enthält nach dem Stand Dezember 1978 für
das umrissene Gebiet 1508 Ständerpilze, davon 67 Boletales, und 178
Schlauchpilze, sowie 33 Myxomyceten. Die Korrespondenz mit den Gat-
tungsspezialisten ist erheblich. Beschränkt man sich auf die Agaricales s. 1.
(Blätter- und Röhrenpilze), so sind es 1230 Sippen = 58 %/o der von BRE-
sınsKY und Haas (1976) für die BR Deutschland = 40% der von MOSER
(1978) für Zentraleuropa zitierten Spezies. Viele dieser Arten sind in allen
MTB Ostwürttembergs nachgewiesen (Belege in Form von Exsikkaten und
Dias), manche Arten sind mit über 100 MTB-Quadranten-Informationen
vertreten (nicht gezählt sind Mehrfachinformationen aus demselben Qua-
dranten). Insgesamt dürfte die Kartei etwa 25 000 Quadranten-Informatio-
nen enthalten (vgl. auch KRIEGLSTEINER 1977). Wo nichts anderes ver-
merkt ist, richten wir uns in der Nomenklatur nach M. Moser (1978) und
verzichten auf Autorenzitate.
4. Die Ordnung Boletales Gilbert
Bis 1978 hat man in Deutschland „Ausgewählte Arten“ zur Kartierung
aufgerufen, bei denen man sich interessante Verbreitungsbilder oder spezi-
fische ökologische Einsichten erhoffte. Auch wollte man möglichst allen
Mitarbeitern Betätigungsfelder erhalten und die Kartierung nicht zur
Sache weniger Spezialisten werden lassen. Damit sind aber Vergleiche,
etwa mit der Orchideenkartierung (so KÜNKELE 1978), ausgeschlossen.
Wir haben 1978 die Boletales als Test-Gruppe für die Kartierung syste-
matischer Einheiten in Deutschland vorgeschlagen. Die „Röhrlingsartigen‘“
sind eine relativ kleine, überschaubare Gruppe ansehnlicher Großpilze
(etwa 120 Arten in Europa bekannt), aus europäischer wie globaler Sicht
sicher mit am besten erforscht (z.B. SINGER 1965), in Deutschland von
KALLENBACH (1936, unvollendet) hervorragend bearbeitet, neuerdings in
England (WaATLING 1970) und der Tschechoslowakei (PıLAT und DERMEK
1974) revidiert; vgl. auch ENGEL (1978). Die Ordnung enthält kaum Gift-
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 134 (1979)
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