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Ökologische Untersuchungen an den Alpen-
und Wärmepflanzen des oberen Donautales,‘
Von Otto Martin, Tübingen,
Mit 37 Abbildungen und 1 Tafel.
Einleitung.
Die mannigfaltige und bedeutsame Pflanzenwelt des oberen Donau-
tales, insbesondere des Schutzgebietes „Stiegelefels’ bei Fridingen
(Kreis Tuttlingen), findet in den Arbeiten von K. Bertscnh (1913, 1919)
und von E. RzsuHoLz (1926) eingehende Behandlung. Dabei wird von
beiden Autoren darauf hingewiesen, daß für das Vorkommen von Alpen-
und Wärmepflanzen nebeneinander, außer der ausgezeichneten An-
passungsfähigkeit, vor allem die örtlichen mikroklimatischen Verhält-
nisse von ausschlaggebender Bedeutung sind. Diese mikroklimatischen
Standortsunterschiede, sowie die Transpiration und den Wärmehaus-
halt der Alpen- und Wärmepflanzen auf Grund ökologischer Unter-
suchungen zu erforschen, soll die Aufgabe vorliegender Abhandlung sein.
Als G, Kraus (1911) durch seine Arbeit „Über Boden und Klima
auf kleinstem Raum“ den Begriff des Mikroklimas schuf, wurde sowohl
der Meteorologie, wie der Botanik ein neues Arbeitsgebiet gegeben.
Durch Arbeiten von R. Geier, W. Schmmt u.a. wurde die meteorolo-
gische Erforschung der bodennahen Luftschicht weitgehend gefördert,
Andererseits arbeiteten Stocker, ScHADe, LeEicK, Fırsas, FiLzer u.a, an
dem Werk von Kraus weiter, indem sie ihre mikroklimatischen Unter-
suchungen im Dienste der Botanik durchführten. Es zeigte sich, daß
Mikroklima und Pflanze in wechselseitiger Beziehung zu einander
stehen und diese Erkenntnis trug dann dazu bei, die mikroklimatische
Forschung als einen wesentlichen Faktor in die Pflanzenökologie ein-
zuführen. Da nun die Ökologie großen Wert auf systematisch durch-
geführte fortlaufende Messungen legt, wurden zur Klärung der Be-
ziehungen zwischen den Alpen- und Wärmepflanzen und ihrem Mikro-
klima an verschiedenen Punkten mit verschiedenen Standortbedingungen
Vergleichsmessungen angestellt; Dabei war es notwendig, Bewölkungs-
und andere atmosphärische Schwankungen möglichst auszuschalten,
was durch ein rasch aufeinanderfolgendes, nahezu gleichzeitiges Ab-
lesen der Beobachtungsstationen geschah. Um die experimentellen Unter-
suchungen im Gelände von möglichst allen Abweichungen zu befreien,
fanden die Messungen während eines ganzen Jahres und bei den ver-
schiedensten Witterungen statt, Die Ausschaltung der Schwankungen,
welche durch die Atmosphäre, den Witterungswechsel, oder den Wechsel
in der Jahreszeit bedingt sind, war notwendig für eine exakte Beur-
1 Erschienen als Dissertation der Naturwissenschaftlichen Fakultät der
Universität Tübingen,