Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 94, 1938)

93 —

Parmelia Kernstockii Lynge et A. Zahlbr, in Württemberg.
Von Maximilian Steiner, Stuttgart,
Mit 2 Abbildungen.

Die im Titel genannte Flechte mußte bisher zu den allergrößten
Seltenheiten der deutschen Pflanzenwelt gezählt werden. Im Jahre 1896
erwähnt der Bozener Lichenologe E, Kernstock von Issingen im
südtirolischen Pustertale eine „Imbricaria dubia Wurr. $. ochroleuca‘.
In der gleichen Arbeit schreibt er bei Aufzählung der Rindenflechten
des nahegelegenen Ehrenburg über Imbricaria dubia Wun_rs.: ‚... mit
grauem oder grünlichem Thallus und in letzterem Falle von einer sorediösen
 Imbricaria caperata oft nur bei genauer Besichtigung unterscheidbar‘,
 Auf ein Exemplar des zweiten Färbungstypes bezieht sich
offenbar seine Bezeichnung „F. ochroleuca‘“. Als wörtliches Zitat fand
Kernstocks Fundbericht auch Aufnahme in den Flechtenband der klassischen
 Tiroler Flora von K, W. von DaııaA Torre und L, von SARNTHEIM.
Erst im Jahre 1913 kommen B. Lynce und A, ZAHLBRUCKNER wieder auf
die KernstocKsche Parmelia (= Imbricaria) dubia #. ochroleuca zurück,
die bis dahin übrigens mangels einer gültigen Diagnose „nomen nudum‘“
geblieben war, Die beiden Forscher hatten zwischen Lengmoos und
Klobenstein im Eisacktale oberhalb Bozens eine Flechte gefunden,
welche sie als neue Art erkannten und beschrieben. Auf Grund der Beschreibung
 Kernstocks und nach Einsicht der Belege des KERNSTOCKschen
 Herbars wurden dessen gelbgrüne Stücke von „Parmelia dubia‘
von Ehrenburg und seine „F. ochroleuca‘“ von Issingen mit der
neuen Art identisch befunden, Diese wurde dem inzwischen verstorbenen
verdienstvollen Flechtenforscher zum Gedenken Parmelia Kernstockii
benannt, Mit Parmelia dubia (Wuu_r.) ScHagr. hat sie allerdings nur
wenig zu tun. In dieser Hinsicht hatte KEernstockK einige Merkmale:
Oberflächenbeschaffenheit der Randlappen des Lagers und die chemische
Reaktion des Markes mit Chlorkalklösung zweifellos überschätzt. Viel
treffender war sein Hinweis auf die Ähnlichkeit mit Parmelia caperata
(L.) Acıs., woraus KEernstock selber allerdings nicht die Folgerungen
zog. Tatsächlich bilden Parmelia Kernstockii und Parmelia caperata
die beiden einzigen mitteleuropäischen Vertreter der Subsektion Flavescentes
 (Sektion Hypogymnia, Untergattung Euparmelia) der großen
Gattung Parmelia (vgl. J. HıL_Lmann). Mit der weitverbreiteten, stellenweise
 (so in vielen Gegenden Württembergs) geradezu gemeinen Parmelia
 caperata, der Bocksflechte, wurde und wird sicherlich Parmelia
Kernstockii, Kernstocks Blattflechte, am häufigsten verwechselt. Indes
sind die Unterschiede beider Arten doch so klar, daß diese auch ohne
eingehende Untersuchung sicher auseinandergehalten werden können.

i1*
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.