Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 95, 1939)

13!

”

Nachschrift zum Riesproblem.
Von Richard Löffler, Schwäbisch Gmünd.

Die vorhergehenden Zeilen waren am 1. Februar 1938 von mir unter
dem Eindruck des in Tübingen wiederholten und ergänzten Vortrags von
Dr. R. Seemann über den „Versuch einer vorwiegend tektonischen Erklärung
 des Nördlinger Rieses“ niedergeschrieben worden, kamen aber
leider im nächsten Jahresheft des Vereins für vaterländische Naturkunde
in Württemberg nicht zum Abdruck. Inzwischen hat SEeemAnn seine Gedanken
 und Untersuchungen über das Riesproblem im Neuen Jahrbuch
für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, Beilageband 81, Abt, B
(1939), Seite 70 bis 214, veröffentlicht, Darin sind manche Gedanken
etwas näher ausgeführt, so daß es jetzt möglich ist, genauer darauf einzugehen.

Von den 5 Forderungen, die Seemann selbst von einer tektonischen
Erklärung verlangt, ist nur eine ganz erfüllt, nämlich die, daß „die Zeitund
 Raumverhältnisse eine direkte Übertragung des alpinen Druckes
auf Vorries und Ries erlauben”,
Der „Nachweis des vorwiegend tektonischen Charakters der Trümmermassen”
 ist nicht erbracht. „Ein offensichtlicher Zusammenhang
zwischen Störungen des Untergrundes und dem Auftreten der wurzellosen
 Trümmermassen” ist nicht einwandfrei nachgewiesen, Der Untergrund
 der Trümmermassen ist, soweit es sich beurteilen läßt, im großen
ganzen ungestört, „Wenn die Bildungsbedingungen der Trümmermassen
einfache wären, würden sie kein so wirres Bild bieten,”
Die Ursache der Zertrümmerung muß nicht „außerhalb des Rieses
gesucht werden“. Die Kluftrichtungen sind über die ganze Windrose
verteilt. Den Rutschstreifen will Seemann „keine allzu große Bedeutung
 beimessen“, Hier liegt aber nach allen Forschern, die sich seither
 mit dem Riesproblem beschäftigt haben, eine für das Ries typische
Erscheinung vor. Lauchheimer Tunnel, Buchberg bei Bopfingen, Härtsfeldhausen,
 Harburg an der Wörnitz, Wemding und Weilheimer Bahneinschnitt
 sind längst bekannte und eingehend untersuchte Örtlichkeiten,
aber keine einzige dieser Örtlichkeiten weist auf einen Schub aus Süden
hin. Allen gemeinsam ist eine gescheuerte und geschrammte Unterlage
aus kompaktem, anstehendem Weißjurakalk mit unmittelbar auflagernden,
 zerpreßten und auch zusammengestauchten oder durcheinandergemengten,
 chaotischen Trümmermassen. Im Weilheimer Einschnitt
liegen die Trümmermassen nicht auf oberem Weißjura, wie SEEMANN angibt,
 sondern auf mittlerem Weißjura, Jedermann kann aus den ver-
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.