Volltext : Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 95, 1939)

XXIV —

Nachrufe.

Dr. med, et rer, nat, h. c, Hermann August Krauß +.
Am 21. April 1939 ging ein langes, an Mühe und Arbeit, aber auch
an Erfolgen reiches Leben zu Ende. Dr. Hermann Kravss, der treffliche
Tübinger Arzt und Naturforscher schloß für immer die Augen, die so
viel Leid, aber auch so viele intime Wunder der Natur geschaut hatten,
Von seinen Kranken war er verehrt worden, und welch schmerzlichen
Verlust ihnen sein Tod bedeutete, geht daraus hervor, daß er von
manchem noch auf seinem letzten Krankenlager als Arzt in Anspruch
genommen wurde, Seine Heilkunst war ihm hehrer Beruf und trotzdem
fand er Muße, in der heimatlichen Natur als gründlicher Forscher tiefschürfend
 zu arbeiten, vieles zu sehen, was vor ihm noch kein anderer
geschaut hatte; und seine Erholung suchte er auf Reisen, auf welchen
er erst recht Naturforscher war. Von all diesen größeren und kleineren
Exkursionen wurde wertvolles Material mitgebracht, das, soweit es
Orthopteren waren, in welcher Insektenordnung Krauss sich einen besonderen
 Schatz an Wissen angeeignet hatte, eine sorgfältige wissenschaftliche
 Bearbeitung durch ihn fand. Die Ausbeuten vieler Expeditionen
 anderer Forscher kamen zur wissenschaftlichen Bearbeitung in
die Hand Dr. Krauss‘, Dabei wurde eine vollendete Kunst auf dem
Gebiet der naturgetreuen, wissenschaftlichen Zeichnung entfaltet, wie
viele Originalzeichnungen sowie wertvolle Tafeln zu von ihm veröffentlichten
 Arbeiten bezeugen. Diese Kunst schien unentbehrlich auf einem
Gebiet, wo es sich darum handelte, vergängliche Formen und Farben
von zahlreichen, der Wissenschaft noch unbekannten Tieren in Wort
und Bild festzuhalten,
Von 1867 bis 1913 führte Dr, Krauss viele Studienreisen in die Alpen
(nach Tirol, der Schweiz und Oberitalien) aus, von welchen wir die
gemeinsam mit Professor Dr, Fei1:x Horpe-SeyLer (Berlin) nach Vorarlberg,
 Tirol und Oberitalien (Monti Euganei) hervorheben, sowie nach
Ungarn, Krain, Istrien und Sizilien. Am fruchtbarsten wurden aber zwei
große Reisen von April bis Juni 1889 nach den kanarischen Inseln
(Teneriffa) mit Hofrat Dr. Karı Brunner von WAaTTEnNwYL (Wien) und
ALPHONSE Pıcter (Genf) und von März bis Mai 1893 in die algerische
Sahara (Biskra, Mraier, Tougourt, Ouargla, Gardaja) mit Professor
Dr. ALExANDErR Könıc (Bonn a, Rh.). Zahlreiche neue Arten hat Krauss
von diesen Reisen bekannt gemacht in einer größeren Zahl von Arbeiten,
die in den verschiedensten wissenschaftlichen Zeitschriften, zum Teil
auch in unseren Jahresheften, erschienen sind.
            
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