Von der Architectur/ Das Vierdte Buch/ Däxinn von
dein Fänff Säulen vnnd shrem gebrauch in der Bawfünst
geßändlei wird. |
Vorted des Authoris än den günstigen Leser,
CAF Ndisem Vierdten Büch habich mir fürgenommen/ vonden funff Columnenodex
Säulen/Thuscana- Dorica-/ Jonica/ Corinthia vnd Composita zu tractieren-*pnd
jrem gebrauch vnd eigenschafft in allerley gebewen den Liebhaberen diserfunss
seitleuffig anzuzeigen/ sintemal auff disen Säulen bey nahe die ganße Baiwkunft bestehet.
Zu besserem verständ aber diser wörter sol man wissen/daß/-wie Vitruvius schreibt/
dieAlten vor Christigeburt spre fürnembsten vnd statlichsten gebew ihren Abgötteren/
dediciert vnnd zugeeignet haben/ vnnd nach deren Art vnd Naturijhinendie sterckeöder
schweche/dicke oder dunne angeordnet. Also ist die Dorica zu erst an einem Tempelgebraucht
worden/welcher dem Jupiter/Sars vi siarc>en Hercules zuehren gebäwt/das
hersieihre Proportion auß männlicher lenge vnd ster>e vberkommen hat, Die Jonics
istvon den Athenienseretnt aneinem Tempel gebräucht/ ihrer Abgöttin Diana Zugeeignet-dahersie
jxe Proportion auff ein Weiblichen Cörper gezogen vnd zum theilstarc>/
zumtheilrahn gentächt. Dann die Diangiftnach Weiblicher art Zartvnd Rahyn/ äber
vonwegenjhrer vbung ini gejäg - ist sie ftar>. Dic Corinthia wird von Jungfrewli-<ergestalther
genommen-weilsiezuehren der Abgöttin Vesta Avelche den Jungfrawetn
furgesekßtgewesen/istdediciert worden/vnd also weiter fist vonden andren Seulen auch
versichen, Die Thuscana wird ftarc>/grobvnd bewrisch gemacht daher sie auch an ftarfe
Gebeiv gehört/ äls grosse Thor vnd Porten der Stätte/ an Castell Schlösser/Vesiungett/
Zeugheuser/ Gefängnuß Thürne/ SNeerhäfen vnnd alle gebew/ sozu Kriegs
Nunitionengehö oon ooo on H
- Wiegrobaber diß Thuscanisch werk iF-/räuch an steinen vnd schlecht von bindutigen/
sofindet man doch auch inguten Autiquen/daßes etwannzartvnd zierlich/nach dem es
dem Architecto oder Bawher!n wolgefällen-gearbeitet-pnd bißiveilen mit der Dorica/
zunzeiten auch mitder Jomeavnd Corinthia ist vermischet worden. Vid zwar vnder
allen Seulenist feine diejich mit der Thustanabesser vergleichet/ äls die Dorica/nicht
alleine der stereke hälben-s0 an beiden erfordert wird/ sondern auch von wegen jhres vrsprungs/daher
sicetwas freundrschäafft vnd gemeinschafft miteinander haben, Dann
die Thüsti seind vonden Griechischen Völekeren herkommen vnnd wie die Thusci vund
Dorier ihres herkommenzs halbe; gemeinschäfft gehäbt/ also auch ihre werck/ nemlch
die Thuscana von den Thustis/vnd Doricavon den Doris/ vnnd seind alsozusammen
gefügtvndvermischet worden. Soiches gespürt man augenscheinlich an vil köstlicher
gebewen zu Flörenß vnd anprenörierenin Jtaliä mehr da vil grosse vnd schöne gebeiw
auffdie Thuscänischeoder Bewriscve art gemäht / vnd doch auch mitreiner vnd schöner
ärbeitvermischet seind. Wilderhalben ss wolnach der Alten als der Vnserigen gebrauch/
zeigen vüd erflären/wie mandie Thuscana an Thor vnd Porten/ an Stettenvyd Ves
stungeit/an gemeinen vnd sonderbaren Pläßen/-Heuseren /Gängen/ Läuben/Feasiren/
Hälben Rundungen/vyd dergleichen wer>eninichtfomlich vnnd Hußlich brauchensol?
Iteimwiedie Ordnungen vndereinander zuuermischen/önddie Thustang vnüder die Doricäöder
Jonica/oöder auch vnder die Cokmithiä zu bräuchenseye/welches doch- diewarheitzusagen/vil
iehr geschicht durch mißbrauch vnd vberflüs/igkeit der Kunst - dann
daß es rc<t vnd der wahren Bäwkunst ängehörig seye, Dann ei verständiger vnnd
ij