Full text: Die Baumeisterin Pallas/ Oder Der in Teutschland erstandene Palladius, Das ist: Des vortrefflich-Italiänischen Baumeisters Andreae Palladii Zwey Bücher Von der Bau-Kunst : Deren Erstes I. Von denen Materialien/ die zu dem Bauen insgemein gehören ... Das Zweyte tractiret I. Von denen Zierrathen der gemeinen Gebäue ... / Ins Teutsche nach dem Italiänischen übersetzet/ Mit ... dazu gehörigen Figuren erbaulich ausgerüstet/ und Zum erstenmal an den Tag gegeben/ Durch Georg Andreas Böcklern/ Archit. & Ingenieur

52 N DasT Buch. Cap. XXV, 
Espflegten die Alten ihre Thuren oben enger als unten zu machen / wie man das 
ineinem Tempel zu Tivoli siehet? und Virruvius das also lehret / vielleicht wegen grosser 
Stärcke, Die Stätte zu den Haus-Thoren solle man daselbst erwählen/da man von dem 
ganßen Haus Liechthinein bekommenkan. -- 
Die Thüren der Zimmersollenüber drey Schuhenicht breit/äber sechs und einen 'hab 
ben Schuh hoch / noch weniger alszwey Schuhe breit/ undnicht niedriger.als funf Schuhe 
inder Höhe BEDIEN m 
Mansolle auch imFenstermachen Achtung daraufgeben/ daß sienihtmehr 8der went 
gerLiecht habö/auchni<t zunahe noch zu weit voneinandergeseztweiden/als dieNothdurft 
erfordere Danienherosehr flassigaufdie- Grösse derGemächer/welchevonihnen ihre Liech- 
ter bekönven sollenzgesehen werden muß. Dann esoffenbärist/daß ein grofjes Gemach viel 
mehr Liechtes vonnöthenhat/dämit es hellundliecht seye/alseintleines/und wanmandie 
Fenster viel kleiner machte und weiter voneinander setzete/ als es fich geziemet/'so wür- 
den sie die Oerter dunckelmachen/und wann siegar zu groß gemachet würden/so würdenssie 
sie fastunbewohilich machen / weilsoiche Derter nach den Zeiten deß Jahrs entweder 
überaus hitzig oder schr kalt seyn würden/daß auch die Himels-Gegend/gegen welche sie ges 
bauet/ihnen feineHülffe bringenfönte. Deropaive sollen feine Fensterüber-das vierteTheil 
deren Breite der Gemächer/nochringer als das fünffte Theil derselbengemacht werden; 
Auch solle man siezwo Vierungen hochmachen/ samt nocheinem SechStheil seiner Breite; 
Und. demnach inden Häusern grösser / mittelmässiger und kleiner gemachek werden und 
gleichwoldie Fenster in ihrem Ordine oder Sto>kwer> allesunt einander gleich seyn sollen 
9(ls gefallen mir/ die Massen gedachter Fenfter zu nehmen/die Gemäder arn besten/deren 
Längeum zwey Drittheil der Breitemeyrist/nemlich wann die Breite achtzehen Schuh ist/ 
daß die Länge dreyssig Schuh seye/ so theileich die Breite in vier und ein halbes /aus einem 
nehnmeich die Breite deß Liechtes der Fenster / und aus zweyen die Höhe/ darzu thue ich 
das eine Sechstheil der Breite / und nach der Grösse dieser Fenster / mache ich alle die an- 
dern. der untersten: Gemächer ? Die oberen Fenster / nemlich die auf dem andern 
Stockiver> sollen um das sechste Theil der Länge deß Liechtes der untern Fenster 
kleiner seyn/ und wann man obennoch mehr Fenster in den dritten Stockmachen solte / sd 
müssen dieselbigen auch nachihrer Höhe umein Sechstheil niedriger gemachet werden. 
-„Essollen auch die Fensterauf derrec<htenHand/mit denen auf derlin>enHand überein 
treffen / und die obern geradüber den untern stehen ; Gleichfalls sollen auch die Thürenge- 
radeineüber der andern stehen/ damit daß Löcher über Löcher/oder Leerüber Leer/ und 
Gangesüber demGangen siehen/auch sollen sie übereintreffen / daßwann man an einem 
Ort deß Hauses stehet/man bis an das andere schen könne/welches dem Haus eine Schön- 
heit/auch im Sommer die srische Lufft und andere Nutbarkeit bringet. 
Manpfieget zumehrerBefestigung(damitdieobere Schwellen der Thüren und;Fenster 
von dem Last nicht beschweret werden) etliche Bögen zu machen / weiche man in gemeiner 
Sprach Remenaripflegetzunennen/und diezu der Dauerhafftigkeit deßBaues schr nüßlich 
n. ; 
iy Mansolle die Fenster von den Ecken deß Baues machen/ gleich wie droben gesaget 
worden; Dann/ es solledasselbige Ortnichtoffen noch geschwächet seyn / welches da das 
übrige gane Gebäu gerad und zusammen haltein solle. 
DiePfeiler oder Steine der Thüren und Fenster-Gestellen sollen nicht geringer als 
das sechte Theil der Breite des Liechts/no<h mehr alsdas füunfste Theil dick seyn, Nun 
istnochübrig/-daßmanihre Zierung besche. 
Bis hicher Palladius. 
Böcklers "Wugabe,. 
1: CE Maassen der grossen Pforten oder Thore aneinem Gebäu / damav mit Kutschen! Wägen! 
Rärren/und dergleichen/einfahren muß/absonderlich auf denMeyerhöfen und Land- Gütern/solle 
wannicht weniger oder kleiner als sieben und einen halben Schuh/bis zu acht oder neun Schuhen/und an 
den grossen Gebäuen von zehen bis zwölff Schuhen breif machen, Die Höhe derselben solle zum wenig! 
sten von anderthalbBreifen/und so mandieselbige wolgestalt machen will/ so solle man dieselbige zwepmal 
ihrer Byeite hoch machen, aN 
1 Im
	        

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