Full text: Die Baumeisterin Pallas/ Oder Der in Teutschland erstandene Palladius, Das ist: Des vortrefflich-Italiänischen Baumeisters Andreae Palladii Zwey Bücher Von der Bau-Kunst : Deren Erstes I. Von denen Materialien/ die zu dem Bauen insgemein gehören ... Das Zweyte tractiret I. Von denen Zierrathen der gemeinen Gebäue ... / Ins Teutsche nach dem Italiänischen übersetzet/ Mit ... dazu gehörigen Figuren erbaulich ausgerüstet/ und Zum erstenmal an den Tag gegeben/ Durch Georg Andreas Böcklern/ Archit. & Ingenieur

2... Das 1.Buch. Cap.LIt. 
- 3-.Die Schönheit entspringt aus der woleingerichteten und schönen Form oder Gestalt 
wann nemlich dasSgante Gebäu mit seinen Theilen/ und dieseunter sich selbst richtig corre- 
spondiren/und ubereintreffen. In Betrachtung/das Gebäu wie ein ganßes und wolaus- 
gemachtes Corpus/anwelchem ein jedes Glied sich wolzu dem andern schicfe/und an dem- 
selben alle die Glieder nokhwendigerfordert werden/anzuschen seyn solle. | 
Nachdem man nun diese Dinge im Abriß - Visirung und Modell/ wol betrachtet has 
ben wird/?so soll man gang fleissig die Rehnung/ von allen Unfosten/-so. da aufgehen möch- 
ten/ machen/ und bey Zeiten Borsehung und Beyschaffungan Geld thun / wie auch die 
Materie zuvor bereiten/ deren man vermeinet vonnöthen jrbaben; damitim Bauen das 
geringstenicht ermangele / welches die Deiiseung des Wercks verhindern möchte 3 die- 
weiles deme/der es bauet/nicht zu geringem Lob/auch.dem Baunichtzu wenigerm Nutzen 
gereichet/ nemlih/wann dieser mit der gebührlichen Geschwindigkeit volendet' wird / und 
die Mauren allesämtin gleicher Masse vollzogen/ sich zugleich setzen können/ dämtt sienicht 
dergleichen Risse gewinnen/ sept in denselbigen Gebäuensihet / die zu unterschiedlichen 
Zeiten/und ungleich ausgemachet worden smd.“ 55 -- 
Derohalben/wann man die besten und erfahrnesten Werc>kmeister/die man haben kan/* 
wird erwehlet haben/ damitdas Werc> zumallerbesten nachihrem Rath angegeben / und 
ausgeführet werde 3 sosoll man /Hölß/Stein/Sand/Kalch und Metall zur Hand schaffen, 
Beyder Herbeyschaffung aber ist unterschiedlichs zu beobachten / .nemlich : Wann man 
das Gebaäl> der Boden/der Sääleund Gemächer machen4will/ so soll man sich mit so viel 
Balten versehen/ daß/ wann sie alle zu Werc>k gerichtet sind / zwischen einem und dem an- 
dern anderthalb Dieke eines Balkens bleibe- Eben dasselbe soll auchmit den Steinen in 
gae<tgenoimmen werden/ daß zu den aufgerichten Steinen / der sechste Theil dick zu des Lich- 
ten Breite erfordert werde. Und.wann.man.an.die.Bau- Zierungen/.Seulen oder Pfeiler 
kommen/ so können die Basis/ Fuß oder Schaffgesims / Capitäl und Architrav / von 
Bruchstein/ dieandern Theil aber von gebrannten oder gebachenen Steinen gemacht wer- 
den, Was die Mauren anbelanget/soll manbeden>en/daßznach dem sie hoch über sichge- 
fuhret/ fie auch je sHmälerund dünner gemachet werden sollen. | . 
Wann nun dieser oberzehlte nothwendige Unterricht fleissig. in Obacht: genommen 
wird/so ist kein Zweiffel / es werde eine juste Rechnung gemacht / und ein grosser Theil der 
Unfostener/paretwerden können. Aber von allen diesen Stücken / soll von einem jeden 
absonderlich an seinem Ort einmehrers geredet werden... Indessen sey diß zu einemallge- 
neien Hyterhrund gleichsam zu einem Enfwurff oder Abriß des gangen Bäues vor 
ugen gestellet, . 
Aber gleichwie über die Quantität und Menge der darzu erforderten Materiälien/ 
auch die Oualität und Güte derselben/um das beste darauszuerwehlen/wolzu beobachten 
ist; als wird die Erfahrung gar viel darzu verhelffen/wann wir von denen/vonandern auf 
gerichteten Gebäuen/guten Unterricht überkommen? und.unsere Nothdurfft darnach rich» 
fen werden. 
Obwolen nun Vieruvius, Leon Bartista Alberti, undandere vortrefflicheScribenten/die 
jenigen Lehrenund Unterricht gegeben haben/dieman in Erwehlung derer Materien hal- 
ten solle / so willichgleichwol nichts desto weniger ( damit.in diesem. Wer>, nicht.etwas zu 
mangel scheine) etliche/und zwar die nothwendigste/in einer Kurteentdecken und erzehlen. 
97 SONDEN Es . - "033 SEANED SERS 
GER: EDB EBE ETS 
Sdas11: Wapitel 1. H DAI 
Fon dem FFolßwer>. 
722 As Holktwerc> soll (wie Vieruvius im neunten Capitelseineszweyten Buchs mel- 
5 det)im Herbst/ und den ganzen Winter durch/abgehauen werden; weilen eszu 
- .dieserZeit von ihren Wurtzeln diejenige Kraft und Festigkeit wieder überkommet/ 
“x welche im Frühling und Sommerin dem Laub und Früchten verrheilet war« 
Auch soll es im Abnehmen des Monds gefället werden 3. weilen die Feuchtigkeit /welche 
dem Holtz schädlich/alsdann verzehretist/und vonkeinem Holzwurm verleger werden Mat 
- Au
	        

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