Full text: Die Baumeisterin Pallas/ Oder Der in Teutschland erstandene Palladius, Das ist: Des vortrefflich-Italiänischen Baumeisters Andreae Palladii Zwey Bücher Von der Bau-Kunst : Deren Erstes I. Von denen Materialien/ die zu dem Bauen insgemein gehören ... Das Zweyte tractiret I. Von denen Zierrathen der gemeinen Gebäue ... / Ins Teutsche nach dem Italiänischen übersetzet/ Mit ... dazu gehörigen Figuren erbaulich ausgerüstet/ und Zum erstenmal an den Tag gegeben/ Durch Georg Andreas Böcklern/ Archit. & Ingenieur

Cap.v1: Das L Buch? :7 
die Tafeln desselbigen wol übereinander fügen/ und doppelt übereinander gewielt/unker sich richken/damnik 
Fein Regen durchschlagen könne. Mänsolbauch auf den Schorsteinen keine Storchen-Nester leiden/denn 
derselbigen Geschmeiß durchsrisset das Kupffer/undmachet das Dach schadhasft. i 
- Nachdeme unser Author/ in diesemCapitel nur allein von den Metallen / so zudem Bauen gehörig? 
geschrieben/ undaber von andern Stücken/ so zwar eigentlich die Metall nicht betressen / jedoch nothwen? 
dig bey jedem Bau ersordere werden/absonderlich von dem GlaßundHafner:Erde keine Meldung ge- 
than haf; Als haben wir bey dieser Addicion der Metallen/kein neues Gapitel mächen/sondern nur allein 
von dem G6laß/weilen dasjenige/so zu den Oefen und Hafner-Arbeifächdrig/schtgemein/undmänniglich 
bekanntist/ nachfolgendes kürklich anzeigen wollenz Idemlich? 
Vom Glaß. - 
8G% das Glaß anbelänget / ist unsere Meinung nicht/ die ganße Kunst des Glaßmachens zubeschreis 
ben/und wie dasselbige aus vielerley Makeri/ auf mmancherley Art/ zu verserkigen seyes Sondern wir 
wollen hiermit nur kürklich dem Baumeister Anweisungtfhun / da'ekwan sein Principal oder Batherreine 
eius Dit aufzurichten in willenswäre? wasman darbty vornemlich zu wissen/ und in acht zunehmen 
at: ; , - 
Ersilichmußmanwissen und erkennen lernen / wasfür Sand/ oder Sand-Steine darzu fauglich 
seyen/ und in Fluß sich bringenlassen? „Da dann. auch unterschiedliche Wackensteine darzu gut seynd? 
Dann man findet bey unterschiedlichen Bergwerken helle und klare Steine /absonderlichin den Exgaru? 
ben/ so. man Quarßnennet/ dieselbigen seynd schräuf/undkanman daraus schöne Gläser/fastdem Crystal 
gleich/machen. Hierbe; istaberzu merken? daßein Sheilsolcher Steine / gelbeoder s<warßlichte Adern 
haben; Die gelben Adern seyndzum Eisen/und die schwarten zu Bley und Silber geneige /welchealsdann 
bey dem Glaßmachen ihre Farbe nicht zurück lassen/sondern entweder einegrüne / öder gelbe/ auch wol eine 
blatte Farbe geben. Derowegen soll mansolche Adern ausschlagen/ und darvon hun. Exlicher Orfen/ 
insonderbeitin Meissen / bricheman auch Sandsteine/ so man zu dent Bäuen und zu den Quatersteinen 
brauchef; wann mandieseglüher/so werden fieganßmürb/ und geben einen überaus schönen Sand/zu die 
sem brauchetmanniche so vielSalß/.als zu dem Kieß: 1 Man findek auch weisse/runde Kieselsteine/fastin 
allen Flüssen/.die nicht schlammicht oder morastig seynd/ doch in einem mehralsin demandern 3 Infon? 
derheitführet die Elb/der Rhein / unddergleichen Ströme / solche überflüssig. So man nun diese glühet/ 
(damieman sie desto besser siossen könne) und im Wasser ablösche? / so kanman sich dieses Sandes gebrau- 
chen/wasaber nicht schön weiß/und etfwan aderigist/ diese wirsst man hinweg. | 
Das. allerschönste weisse Slaß wird aus schwarben Feueraund Flinthen-Skeinen gemachet / welche 
man etliche malalüher/und in Wasser ablöschet/so werden sie schön weiß/wobey aber zu mercken/ daman et? 
wan auf 200. Pfund andern Sand/130,. Pfund Salsgenommen/somuß manauf diesen Sand von Flin- 
then-Steinen/wol 140.bis 1 50. Pfund Salß nehmen. ; 
Das Salßwird aufunferschiedliche Weise / von den Glaß-Machern/ aus Kräutern/vörnetnlich aus 
Farren-Kraut/auf folgende Weise gemachet : Man sammlet oder schneidet das Farren“-Krauf ab/um das 
Ende des Monats May/bis um den halben Junit/im zunehmenden Mond/dörret hernach dasselbige/und 
spesdürrgenugworden/verbrennet man solches/ aufeinemsaubern Herve/ zu Aschen/ von dieser Asche mae 
chef man hernach das Salß/wie alle andere Salt aus den Kräufern gemachetwerden 5- so man nun dieses 
Kraut in obgedachter Zeit einsammlet / so wird es am mäisten/ schöner weisses Salß/ alszu einer andern 
Zeit geben. Jtem/manmacht auch aus den ausgeschlagenen Bohnenstengeln/und Hülsen/ gleichfalls ein 
gutes Salt/auf vorige Weise, Jngleichen aus gedörrtem Köhlkraue / Brombeerstrauch/ Wollenkäm» 
mer-Disteln/Binsen/ Schlatten-oder Schilf-Rohr/und andern dergleichen Kräutkern/ welche alle ihr Salß 
aus der Aschegeben, 
Jn Aufbauung der Defen/sozu dem Glaßmachen gehörig / hat sich der Baumeister/ nach der Ange 
bungder Glaßmacher zurichten, im 
* 2, Zudem Glaßmachen muß der Sand wolgewaschen und gereiniget werden / daxrvon geben drey 
Wagen unsäubern Sandes/ einen Wagen qufen Sändes. 
3. Zueinem Brandleichfen Glases gehören achtzehen Wägen/ und zu schwerem Slaß/ noch zwey 
mal so viel Sands. | 
“4. Nach mittelmässigem Brandbedarff man nurjede Wocheneinen Wagen» 
5. Zu weissem Sand nimmtman zu drey Theildesselbigenein Theil Achema 
=: Zudem Brandmußman haben/weißund roth Dännenhols/ wie auch Buchen/ das ist das beste. 
'. Forlen- oder Forchen-Hols ist nichtgar gut darzu: 
= Faule Buchen/so aufrecht stehen/sindguf zur Aschett. NE 
9. Jngleichen gibt das weis Dännen-Lolß auch gufe Aschen zu deny Slaßmachtii 
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Dr 275153 
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