Fortgang der Bauausführung.
Der weitaus gröfste Theil der Baumaterialien mufste mit
er Bahn herbeigeschafft werden,
Da der Bauplatz in der Nähe des Bahnhofs Cannstatt
zelegen war, so gestaltete sich die Beifuhr der Materialien
mittels Rollbahn um so zweckmäfsiger, als die Achsfuhrwerke
zur Insel und zum Berger Vorplatz den grofsen Umveg
über die Wilhelmsbrücke zu nehmen hatten. Die zur
\ufnahme zweier Gleise bestimmte Arbeitsbrücke führte vom
restlichen Ende des Bahnhofs Cannstatt über die verlängerte
Tönigsstrafse und der neuen Brücke entlang über den Neckar
ınd den Flofscanal zum Berger Brückenvorplatz. Die Höhenage
der Arbeitsbrücke ist derart gewählt worden, dafs der
aus den Baugruben der Pfeiler ausgehobene Boden auf der
3rücke in die Auffüllungen der linken und rechten Brückenzufahrt
abgeführt werden konnten.
Die Verbindung der Rollbahnen der Arbeitsbrücke mit
lenjenigen der Pfeilergerüste geschah mittels Weichenanlagen.
\uf den Lager- und Werkplätzen befanden sich gleichfalls
eiseanlagen. .
Die Arbeits- Brücke mit den Gleiseanlagen gehörte der
Bauverwaltung. Dieselbe hat sich dadurch das freie Ver-*ögungsrecht
gewahrt und sie konnte die genannten Anlagen
ijen einzelnen Unternehmern bis zum Schluls des Brückendaues
in Benützung geben. Hiervon ist denn auch in der ausziebigsten
Weise Gebrauch gemacht worden, Von 2500 mit
3aumaterialien beladenen Eisenbahnwagen wurde der grölste
Cheil auf der Arbeitsbrücke zur Baustelle geschafft.
Nach dem Ergebnifs der Grunduntersuchungen vom Jahre
1888/89 glaubte man an der Stelle der beiden Endpfeiler
n einer Tiefe von etwa 1!/, m unter Niederwasser auf eine
Ziesfelsschichte rechnen zu dürfen, welche zur Aufnahme der
Ändpfeiler, denen eine beliebig breite Grundfläche gegeben,
ınd bei denen daher der Druck auf die Unterlage mälfsig
zehalten werden konnte, genügend sicher erschien. Die
Fiefe der Fundamentsohle unter dem Niederwasser war zu
2m geplant. Der linke Endpfeiler konnte fast durchweg
)7 bis 0,8 m unter Niederwasser auf festem Tuff und. darunter
jegendem Kiesfels nnd Kies gegründet werden. Der rechtseitige
Endpfeiler dagegen brachte eine leidige Täuschung,
ndem der daselbst angefahrene Kiesfels sich nur .aul die
dälfte der Baugrube erstreckte; in der. anderen Hälfte fand
ar seine Fortsetzung durch schlammigen Kies auf 4 m dickem
Letten. Auf solchem Grund konnte: ein sicherer Stützpunkt
ür eine die Fundamentsohle mit 5 at. pressende Steinbrücke
nicht gewonnen werden; Pfähle boten keinen genügenden
Ersatz für Fels; es wäre daher nur möglich gewesen, auch
hier mit Luftdruck 9 bis 10m tief bis auf die festen Mergel
zu gründen, was einen Mehraufwand von etwa 100000 A
‚ur Folge gehabt hätte, Hierzu standen keine Mittel zur
Verfügung. Man entschlofls sich defshalb ohne Weiteres zur
\usführung einer Stahl- (Martin-Eisen) Brücke, nachdem die
Eisenpreise seit der erstmaligen Aufstellung des Voranschlags
ım wenigstens 25 %, zurückgegangen waren. Kine Stahlarücke
drückt den Baugrund (Kies) des rechten Ortpfeilers
aur mit 3 at., und hierfür erschien er tragfähig genug.
Die Reihenfolge für die 9 bis 10 m unter Niederwasser
nach dem Luftdruckverfahren auf die festen Mergel der Lettenxohle
zu gründenden Zwischenpfeiler ergab sich durch den
3etriebsplan für die Aufstellung des Brückenoberbaues, Demantsprechend
kamen nacheinander die Fundamente des rechten
Treppenpfeilers, der beiden Flufspfeiler und schliefslich des
.inken Treppenpfeilers zur Ausführung.
Im allgemeinen war der Arbeitsfortgang bei den Treppenopfeilern
besser als bei den Flufspfeilern, was theilweise der
Intbehrlichkeit der Aufhängevorrichtung bei jenen zuzuschreiben
ein wird; von wesentlichem Einfluls waren auch Verbesseungen
an den Betriebseinrichtungen, welche sich der Geschäftsaiter
der Unternehmer, Ingenieur Wendehorst, angelegen sein
iefs; die Arbeiter wurden aufserdem allmälig durch den
icheren Betrieb und den lohnenden Verdienst zu gesteigerter
‘hätigkeit angespornt. Die höchste Leistung wurde am linken
reppenpfeiler erreicht, obwohl dort die Untergrundsverhältisse
am ungünstigsten lagen und die gesamte Versenkungsefe
diejenige der übrigen Pfeiler übertraf, Die Materialentjerung
erfolgte hier nicht auf dem Gerüste in der Höhe der
rbeitsbrücke, sondern in Terrainhöhe, sodafs eine wesentche
Ermäfsigung der Förderhöhe erzielt wurde. Auf einer
chiefen Ebene wurden alsdann die Karren mit einer Winde
‚uf die Arbeitsbrücke gezogen und von da in die Auffüllung
hgeführt.
Die mit der Senkkastengründung durchfahrenen Schichten
‚estanden in schlammigem, durch Eisenoxydhydrat der kohlen-:auren
Wasser zum Theil tiefgelb gefärbtem Kies mit Broken
on Sauerwasserkalk, in Schlammgrund mit Keuperletten,
[uschelkalk- und Lettenkohlendolomit, plastischen blauen
‚etten (zersetzte Lettenkohlenmergel) und anstehender Letten-:;ohle.
Die oberen weichen Mergelbänke der letzteren wurden
usgegraben, und die Pfeiler erst in den darunter liegenden
sten Mergelbänken aufgesetzt, welche, wie die Bohrungen
rgeben haben, von grofser Mächtigkeit sind... Die Dicke der
joden- und Gesteins- Schichten war in den einzelnen Pfeilern
erschieden; am rechten Ufer traten die plastischen blauen
etten stärker hervor, am linken Ufer dagegen herrschte der
ersetzte Lettenkohlendolomit vor; auch machte sich hier
afolge der Einwirkung der Sauerwasserquellen auf der Insel
ine gröfsere Unregelmäfsigkeit der Schichtenfolge überhaupt
jemerkbar.
Dr. Eberhard Fraas in Stuttgart hat die Bauverwaltung
‚ei der Gründung in geognostischer Beziehung in sachverständiger
Weise berathen.
In der Fundamentgrube des Treppenpfeilers auf der
‘nsel ist in der Tiefe von 41/, m unter der Erdoberfläche
ine Anzahl alter eichener dreiseitig zugespitzter Pfähle an-;‚etroffen
worden, welche nach dem Urteil von Alterthumsorschern
von einem Römerbau herstammen. |
Das in Württemberg ungewöhnliche Schauspiel der
)ruckluftgründung hat einer grofsen Zahl von Technikern,
Tereinen usw. Veranlassung gegeben, die Baustelle zu beuchen
und das Verfahren in Augenschein zu nehmen.
Am 2. April 1892 besichtigte Seine Majestät der König
ait Ihrer Majestät der Königin und einer gröfseren Zahl
on. Gliedern des Königlichen Hauses die Baustelle, als
‚erade die Luftdruckgründungsarbeit in vollem Gange war
nd der linksseitige Flufspfeiler-Senkkasten zum Versenken
zreitstand.
Wie schon oben angedeutet, sah sich die Bauverwaltung
u ihrem Leidwesen gezwungen, von der Ausführung einer
;teinbrücke infolge der am rechten Endpfeiler angetroffenen
chlechten. Untergrundsverhältnisse abzusehen. Nachdem die
jenehmigung zur Erstellung einer Brücke mit Martineisen-Jeberbau
ertheilt worden war, sind, um dem Spiel der
‚eistigen Kräfte freien Raum zu geben, acht gröfsere Brückenjau-
Firmen zu einem Wettbewerb eingeladen worden, nämich
die Maschinenfabrik Elslingen in Efslingen, die Maschiıenfabrik
von Wälde, Kade u. Erath in Steinbach OA. Hall,
je Maschinenbau - Actiengesellschaft Nürnberg (Filiale Gustavsyarg
bei Mainz), das Eisenwerk Kaiserslautern, Philipp Holzıann
u. Comp. in Frankfurt a. M., die Actiengesellschaft für
Jergbau, Eisen- und Stahlindustrie Union in Dortmund, die
ıctiengesellschaft Harkort in Duisburg a. Rh. und die Gute-‚offnunegshütte,
Actienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb in