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Die wilde Weinrebe im Neckartal.,
Mit 1 Abbildung,
Yon Karl Bertsch, Ravensburg.
Im Jahre 1929 hat mir Landesgeologe Dr. Kranz in Stuttgart aus
dem untersten Neckarkiessand bei der Berger Inselquelle eine Anzahl
Hölzer zur Bestimmung zugesandt, von denen ich aber nur Eiche und
Esche zu deuten wußte, Ich gab deshalb die ganze Probenreihe zurück
mit dem Rat, sie zur genaueren Untersuchung an Professor Dr. KrÄuser
in Frankfurt zu schicken. Dieser bestimmte sie als Eiche (Quercus),
Esche (Fraxinus), Weide oder Pappel (Salix oder Populus, aber schlecht
erhalten) und Weinrebe (Vitis). Über das letztere Holz schrieb KrÄuset:
„Sehr gut erhalten, an ihrer Bestimmung ist nicht zu zweifeln, sie eignet
sich sehr gut für eine Mikroaufnahme des typischen Querschnitts,”
Das veranlaßte mich, mir eine Probe Rebenholz, das mir noch unbekannt
war, zu beschaffen und eingehender zu studieren, und bald darauf
kam mir dies zu statten, da mir Dr. StoL_ von seiner Grabung in
Xanten am Niederrhein die Holzreste der Hafenanlage der römischen
Colonia Trajana zur Bearbeitung übersandte, wo die gleichen Gehölze
wiederkehrten: Eiche, Esche, Kiefer, Weide und Weinrebe, Das Rebenholz
lag diesmal in einer. schwarzen Torfschlickschicht unter der Hafenbrücke
zusammen mit Scherben aus claudisch-neronischer Zeit, also aus
dem Zeitraum von 40 bis 65 n. Chr. Die Bestimmung dieser zweiten
Rebenholzprobe ist dann von Dr, Kırchmeimer in Gießen bestätigt
worden. Hier müssen wir bereits an die Kulturrebe (Vitis vinifera)
denken. Es ist ihr ältester Fund aus Deutschland.
_ Ungefähr aus der gleichen Zeit, also frührömisch, stammen Traubenkerne,
die Dr. Nzuweırer (Zürich) in einer römischen Anlage von Basel
festgestellt hat. Sie sind 4 bis 6 mm lang, 3 bis 4 mm breit, zugespitzt,
mit zwei Längsrinnen auf der Kantenseite und einer rundlichen Ansatzstelle
auf der Rückenkante und gestatten die eindeutige Bestimmung als
Kulturrebe.,
Die Rebkultur am Rhein ist also wesentlich älter, als Hecı noch im
Jahre 1925 in seiner Illustrierten Flora von Mitteleuropa annimmt. Er
schreibt: „Wann die Rebkultur den Rhein erreichte und wie weit sie
ihn und auch die Donau überschritt, entzieht sich in den feineren Einzelheiten
unserer Kenntnis; Vermutlich aber fanden sich die ersten Anlagen
am Rhein schon 100 Jahre vor der Regierungszeit des Kaisers Progus
vor.” Dieser Kaiser (276 bis 282) war ein starker Schützer und Förderer
des deutschen Weinbaus gewesen, der die unter DomitiAan erlassene Verordnung
zur Einschränkung der Weinkultur in den Provinzen wieder