Volltext : Veröffentlichungen der Württ. Landesstelle für Naturschutz. [Heft] 15 (15, 1939 [JVVNW 94, 1938])

Das Kliff bei Heldenfingen.
Ein beachtenswertes Naturdenkmal der Schwäbischen Alb.
Von Dr. Hans Schwenkel, Stuttgart
Württembergischer Landesbeauftragter für Naturschutz.

Mit 8 Abbildungen.

Das Verständnis erdgeschichtlicher Vorgänge, an denen jedermann
so großes und fast unmittelbar persönliches Interesse hat, ist gar nicht
einfach. Wie lange hat die Wissenschaft gebraucht, bis sie die Geschichte
der Erde nur einigermaßen aufklären konnte! Und wie lange hat man
sich beispielsweise über die Entstehung des Buntsandsteins oder des
Keupers gestritten! Noch vor wenigen Jahrzehnten behauptete der eine
Fachmann, der Buntsandstein sei eine Wüstenbildung, der andere, er
sei das Ergebnis einer Meerestransgression, d.h. der Meeresüberflutung
eines sinkenden Festlandes. Was dem einen Flußgerölle von austrocknenden
 Wüstenflüssen waren, erschienen dem anderen an der
Küste entstandene Brandungsgerölle des vordringenden, das Festland
gleichsam zermahlenden Meeres. Durch vergleichende Betrachtungen,
vor allem aber durch Niederlegung und Zusammenfassung der Einzelbeobachtungen
 in Karten (Paläogeographie) ist die Wissenschaft aber
von Erkenntnis zu Erkenntnis fortgeschritten und wird immer weiter
fortschreiten. Auch die Zeiträume für das erdgeschichtliche Geschehen
können heute mit ganz verschiedenen Methoden in ziemlich sicheren
Näherungswerten berechnet oder geschätzt werden. Wie hilflos stand
man noch vor 50 Jahren so manchem Gesteinsaufschluß gegenüber,
dessen Schichten man heute ihrer Entstehung nach sicher deuten kann!
Die Massen untergegangener Lebewesen, deren versteinerte Reste
ja oft ganze Gesteinslager erfüllen, führten erst zu der Auffassung, daß
in früheren Zeiten, ehe der Mensch auf der Erde nachzuweisen ist, ungeheuerliche
 Katastrophen (Kataklysmentheorie) über die Erde hereingebrochen
 seien und in bestimmten Gebieten alles Leben vernichtet
haben. Noch vor 80 Jahren war diese Lehre so gut wie allgemein gültig,
Seitdem ist das bewunderungswerte Gebäude der geologischen Wissenschaft
 aufgebaut worden; und es erscheint kaum glaubhaft, daß Goethe
einer der ersten war, der die „Versteinerungen‘ nicht als Naturspiele,
sondern als umgewandelte Reste von Lebewesen richtig deutete,
Fragt man sich, worauf der gewaltige Fortschritt gerade in dieser
Wissenschaft zurückzuführen ist, so ist es eine Lehre und schließlich
eine Forschungsweise, die der Engländer CHARLES LYELL besonders ge-
            
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