Volltext : Veröffentlichungen der Württembergischen Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege. [Heft] 18 (18, 1949 [JVVNW 97-101, 1941-45])

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Beiträge zur Kenntnis unserer Flora.
Von KARL BERTSCH, Ravensburg.

I. Der kleinfrüchtige Ackerfrauenmantel, Aphanes microcarpa,
eine neue Blütenpflanze Württembergs.

Die Pflanzengattung Frauenmantel oder Alchimilla, die ihren lateinischen
 Namen von der Alchimie oder Goldmacherkunst trägt, wegen
vermeintlicher geheimer Kräfte der Pflanze, gehört zu den merkwürdigsten
 und interessantesten unserer Heimat. Sie ist berühmt geworden
durch MvurBEcK, der im Jahr 1901 bei ihr die Parthenogenesis oder
Jungfernzeugung entdeckte, die dann STRASSBURGER im Jahr 1905 als
Geschlechtsverlust oder Apogamie erklärte.
Diese Pflanzen zeigen in ihrem Blütenbau weitgehende Reduktionserscheinungen.
 Kronblätter fehlen immer. Die Zahl der Staub- und
Fruchtblätter ist weitgehend verringert. Es treten 5, 4 oder 3 Staubblätter
auf, und bei manchen Arten bleibt nur ein einziges übrig. Bei den meisten
Arten tritt auch keine normale Befruchtung ein. Der Blütenstaub verkümmert,
 die Pollenschläuche dringen nicht mehr bis zu den Eizellen vor,
und die Eizellen selbst machen keine Reduktionsteilung mehr durch.
Es entstehen: Samen ohne geschlechtliche Befruchtung.
Bei den meisten württembergischen Frauenmantelformen trifft dies
zu, und nur der Ackerfrauenmantel, Alchimilla arvensis, macht eine
Ausnahme. Bei ihm allein kommt noch eine normale Befruchtung
zustande.
Schon der Altmeister der Botanik, Lynx, hat diese Pflanzengruppe
in zwei Gattungen zerlegt, Alchemilla und Aphanes, vor allem auf Grund
eines Beobachtungsfehlers, indem er der zweiten Gattung zwei Griffel
zuschrieb, während die andere nur einen einzigen enthält. Aber schon im
Jahr 1762 vereinigte SCoPoLT beide zu einer. einzigen Gattung, und die
württembergischen Floristen von SCHÜBLER. und MARTENS bis heute
sind. ihm hierin nachgefolgt. Die Floren vor 1900 führen indes für den
Ackerfrauenmantel noch den Namen Aphanes arvensis als. Synonym am
Schluß ihrer Beschreibungen.
Im Jahr 1825 zerlegte sodann DE CANDOLLE die Pflanzen dieser
Gattung wieder in zwei Sektionen, einjährige und ausdauernde Arten,
und stellte dadurch die LINNEsche Scheidung wieder her, aber auf Grund
eines gesicherten Merkmals, doch ohne die Namengebung zu ändern.

Naturschutz
            
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