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Ein vorbildlicher Friedhof
Von Otto Valentien
Anläßlich einer ausgedehnten Besichtigungsreise über norddeutsche
Friedhöfe führte mich mein Weg auch auf den Osterholzer Friedhof in
Bremen, Mit seiner Anlage wurde im Jahre 1910 nach den Plänen des
Gartendirektors Frey: begonnen. Sie reicht also zurück in eine Zeit, aus
der wir auch in den Großstädten noch recht unbefriedigende Beispiele
kennen, Der Verfasser des Planes betreute als Gartendirektor der Stadt
den ersten Teil der Ausführung, Inzwischen wurden die Arbeiten unter
zwei weiteren Gartendirektoren weitergeführt, Das Bemerkenswerte nun
ist die Geschlossenheit der Anlage, nicht nur in der großen Konzeption,
sondern auch im einzelnen, Wir suchen hier vergeblich die Unzulänglichkeiten,
die selbst heute noch das Bild unserer Friedhöfe oft hoffnaungslos
belasten. Deshalb mancherorts hoffnungslos, weil seit Jahrzehnten
gegen die Mängel gekämpft wird, ohne daß es gelingt, sie zu
überwinden. Hier auf dem Osterholzer Friedhof nun sehen wir unsere
guten Grundsätze über Jahrzehnte hinweg folgerichtig befolgt, ohne Abweichung
auch in modische Irrtümer.
Das tiefliegende Gelände mußte durch Anschüttungen in der erforderlichen
Tiefe grundwasserfrei gemacht werden. Der Boden wurde
zur Hälfte im Gelände selbst durch die Ausschachtung von Seen und
Kanälen gewonnen. Vor allem die Kanäle geben heute dem Friedhof
zin besonderes Gepräge, sie schaffen Abstand und bringen ein außerordentlich
belebendes Element in die Anlage, Da die Hauptwege auf
alter Höhe belassen wurden, ergibt sich zu den von Kanälen umgebenen
höhergelegten Belegungsfeldern ein Höhenunterschied, der sich in dem
sonst ebenen Gelände wohltuend auswirkt. Große Alleen gliedern die
80 ha große Fläche, sie laufen parallel und rechtwinklig zu der breiten
Mittelachse, welche das Gelände der Länge nach durchzieht,
Die Friedhofkapelle mit großen Urnenhallen steht etwa in der Mitte
des Geländes, architektonisch auch heute noch von eindrucksvoller
Haltung, Der Verfasser der Baupläne war Architekt Professor SEEcK,
Ein wesentlicher Punkt der gärtnerischen Gestaltung ist die Beschränkung
der Bepflanzung nicht nur auf Laubholz, sondern auf wenige,
meist bodenständige Arten, Die Unruhe vieler unserer Friedhöfe beruht
nicht nur auf dem Mangel in der Grabmalgestaltung, sondern ebensosehr
auf dem wilden Nebeneinander der gegensätzlichsten Pflanzenformen,
Auch die Grabfelder sind sehr ruhig gehalten, vor allem wirkt sich
die Tatsache aus, daß die Gräber auch privat nicht so ausgiebig mit allen
unmöglichen Nadelhölzern bepflanzt werden, wie das in Süddeutschland
leider der Fall ist.