Volltext : Veröffentlichungen der Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg und der württembergischen Bezirksstellen in Ludwigsburg und Tübingen (25, 1957 [JVVNW 112, 1957])

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Jahresbericht der Bezirksstelle Nordwürttemberg 1956

jahrelang vorenthalten worden ist. Es dürfte klar sein, daß noch vor
50 Jahren von Naturschutz und Heimatpflege so gut wie keine Rede war,
Erst allmählich wurde dem Gedanken Raum geschaffen, daß die Natur
nicht etwas ist, was nur an. Wochenenden aktuell ist, sondern in der
Natur ruht und wurzelt unsere Kraft, Alsbald wurde daran gegangen,
‚Oasen der Ruhe‘ zu schaffen. Es hat sich gezeigt, daß hier der Wanderer
und Naturfreund eine Stelle der Ruhe und Erholung finden kann, Es ist
in den letzten Wochen mehrfach die Frage an mich gerichtet worden,
warum wir diesen Gedanken nicht noch ausweiten. Ich muß dazu sagen,
in unserem demokratischen, rechtsstaatlichen Verband ist es sehr
schwierig, einzelne Interessen durchzusetzen und die Allgemeinheit
damit zu binden. Es gibt eine Menge Möglichkeiten, gegen solche
Bestrebungen anzugehen. Es hat daran auch nicht gefehlt. Nunmehr ist
25 so weit, daß wir sagen können, daß tatsächlich diesen lebenswichtigen
Belangen des Naturschutzes und der Schaffung von Erholungsgebieten
allgemein Rechnung getragen wird und daß sie auch die Zustimmung
der zuständigen Gerichte finden können, Nun können wir, nachdem der
letzte Schritt erfolgreich gegangen werden konnte, an eine Ausweitung
gehen, und es wird an mir nicht fehlen.
Es ist mir nun auch Anlaß gegeben, darüber zu sprechen, welche Absichten
 und Aufgaben im Regierungspräsidium Nordwürttemberg obwalten,
 Dies ist zunächst das Bauen außerhalt Etters, also das Bauen
in der freien Landschaft. Auch hier ist in der Vergangenheit sehr viel
gesündigt worden. Ich habe Anweisung gegeben innerhalb meines
Amtes, daß das Bauen außerhalb Etters soweit als mögllch eingeschränkt
 wird, denn gerade das Bauen außerhalb Etters ist eine
Sache, die bei der in jeder Woche beim Regierungspräsidium stattfindenden
 Baurechtsbesprechung einen großen Teil ausmacht, Leider
müssen wir gerade in diesen Tagen erfahren, daß eine höchstrichterliche
Entscheidung entgegen unserer Auffassung ergangen ist. Das ist ein
Urteil, wonach es nicht darauf ankommt, die Landschaft zu erhalten
und zu schützen, sondern daß man nur dann von einer Beeinträchtigung
der Landschaft sprechen könne, wenn die Landschaft verunstaltet und
verschandelt wird. Dieses Urteil hat mich bestürzt, Es kommt meiner
Ansicht nach nicht darauf an, ob die Landschaft verschandelt wird,
sondern auf die Erhaltung der Landschaft und auf sonst nichts, Wir
müssen alles tun, um diesem Urteil entgegenzuwirken.
Ein weiteres Aufgabengebiet des Regierungspräsidiums ist der Kampf
gegen die Reklamesucht, Wir alle haben es zu beklagen gehabt, wie
sehr sich diese Reklamesucht auszubreiten drohte, Es ist auch unsere
Aufgabe, hier mit allen Mitteln entgegenzuwirken, und es ist in den
letzten Jahren vieles zum Guten geschehen. Ich möchte nicht sagen,
daß nicht auch technische Bauten sich manchmal gut in die Landschaft
einfügen können; es ist Aufgabe der Behörden, einen sinnvollen Kompromiß
 zwischen den Bedürfnissen der Technik und denen der Landschaft
 zu finden. Ich darf hier zitieren OswALD SpEnGLEr ‚Schönheit der
Technik‘, in der die Forderung nach einer schönen Synthese zwischen
            
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