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Gärtnereien die Wurzelstöcke und Zwiebel wild wachsender Pflanzen in
Massen ausgraben und zu Tausenden in den Handel bringen, oder wenn
reiche Herrschaften sich solche Pflanzen in ihre Gärten pflanzen lassen,
wo sie bald eingehen. Auch botanische Gärten fordern ihre Opfer. Der
Frauenschuh ist nicht bloß durch das Abreißen, sondern. durch das
Ausgraben und Verpflanzen in den Garten in unserem Lande fast ausgerottet,
während er früher allgemein verbreitet war (siehe Abb. 1 und 2).
Unter dem Ausgraben für Gärten leiden viele Orchideen der Alb, das
wilde Schneeglöckchen oder die Märzenglocke und die Farne; für Drogerien:
die Bärwurz (Meum athamanticum), die Silberdistel (Carlina acaulis), die
Enzianarten, der Türkenbund ( Lilium martagon), sodann die Orchis- und
Ophrys-Arten (11), der Seidelbast, die Weißwurz ( Polygonatum officinale).
Blüten für Drogenzwecke werden gepflückt von der Arnika und dem
Mausöhrle (Gnaphalium dioicum) ; Kräuter oder nur Blätter von Bärlapp,
Hirschzunge (!), Kreuzblume, Küchenschelle (!), Tausendguldenkraut;
Rinde vom Seidelbast. Nichts einzuwenden ist, wenn in der Zeitung zum
Sammeln von Löwenzahn- und Queckenwurzeln aufgefordert wird.
O, wie lacht die Sonne heiter,
Leonhardt kauft alle Kräuter.
Löwenzahnwurz ist beliebt,
Die es jetzt in Menge gibt!
Schnurwurzeln, besonders weiß (Quecken),
Unerhört hoch ist der Preis!
Wir vergüten Fracht und Fahrt! —
Alles schnell zu Leonhardt!!
Apotheker Leonhardt u. Cie., Ulm a. D.
Unsere schönsten und seltensten Blumen aber dürfen einer vielfach höchst
zweifelhaften Verwendung nicht geopfert werden. Von den verschiedensten
Seiten wurde uns berichtet, daß Silberdisteln in großen Massen
ausgegraben und zudem noch schlecht bezahlt wurden. — Auch der Blumenhandel
in. den Städten wird mancher Pflanze zum Verhängnis. Es seien nur
das Steinröschen ( Daphne eneorum), die Scilla, die Märzenglocke, die Küchenschelle
(s. Abb. 3), die Enziane, das Himmelfahrtsblümchen erwähnt. Es
erhebt sich die Frage, ob es anzustreben ist, den Handel mit wilden Blumen
und mit Stechpalmen ganz zu verbieten. Tübingen hat seit Jahren ein vollständiges
Marktverbot für wild wachsende Blumen. In der Zeit der
Gesetzlosigkeit, in der wir immer noch stehen, mag es das einzige wirkungsvolle
Mittel sein, wenn die Städte solche Verbote erlassen. Reutlingen und
Heilbronn erließen auf unsere Anregung hin 1925 Teilverbote. Wenn aber
eine gesetzliche Regelung erfolgt ist, können sehr wohl einzelne Pflanzen,
für deren. Bestand keine Gefahr droht, und die in der Kulturlandschaft
wachsen, freigegeben werden. Sehr zu beklagen ist, daß der in Bayern so
streng geschützte stiellose Enzian (Gentiana acaulis) bei uns in Württemberg
immer noch aus Bayern bezogen und in Läden verkauft wird.
Großer Schaden ist der Natur aus der gewaltigen Zunahme des
Wanderns, die an sich erfreulich ist, und auch aus der oft zu weit gehenden
Erschließung der Landschaft durch Wege, Hütten, Türme usw. erwachsen,
So kostete ein Weg im oberen Donautal dem Falkenstein, Eichfelsen und