Volltext : Veröffentlichungen der Staatlichen Stelle für Naturschutz beim Württ. Landesamt für Denkmalpflege. [Heft] 2 (2, 1925 [JVVNW 81, 1925])

Das Kommen und Gehen einer Orchis-Art in Württemberg.
Von Dr. H. A. Krauß (Tübingen).
(Mit 2 Abbildungen:)

Eine in pflanzengeographischer Hinsicht überaus merkwürdige Entdeckung
 war das Auffinden einer Orchis-Art („Knabenkraut‘“) auf dem
Nagolder Schloßberg (500 m ü. M.) durch Apotheker OETFFINGER in Nagold
anfangs der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Es handelte sich um
die von ANTON SAUTER nach Exemplaren aus den Salzburger Alpen (Österreich)
 in KocH’s „Synopsis‘“ 1837 beschriebene Orchis Spitzelii, die 1835 von
dem bayrischen Forstmeister ANTON V. SPITZEL auf der Weißbach-Alpe bei
Saalfelden im Gebiete des „Steinernen Meeres“ entdeckt worden war. Für
Deutschland war sie neu und sie wurde, wie gleich beizufügen ist, auch
seither nirgends mehr innerhalb dessen Grenzen aufgefunden. Nicht lange
währte es aber, bis sie auch im Gebirge Südtirols von FACCHINI (1842) entdeckt
 wurde, und zwar in Judicarien im Gebiete des Ledrotals (westlich vom
Gardasee) auf der am Südabhang des Monte Gavardina gelegenen Alpe
„J Gui‘“. Zahlreiche weitere Funde folgten sodann gleichfalls auf den
Bergen Judicariens zwischen Gardasee und dem Chiesetal durch FACCHINI,
LEv80LD, Porta und andere, so am Monte Tombea und Tremalso, an der
Bocca di Trat etc. auf Berg- und Alpenwiesen in einer Höhenlage zwischen
950 und 2000 m. Auch östlich vom Gardasee wurde sie auf dem durch seine
Flora berühmten Monte Baldo an kurz berasten Stellen, auch in Buchenwäldern,
 gefunden. Als zweiter Fundort in den Nordalpen kam dann der
auf dem Wiener Schneeberg (Niederösterreich), wo sie am Südabhang in
der Krummholzregion von Wiener Botanikern (BILIMEK, HALÄCZY) als
„überaus selten‘ gefunden wurde. Dann kamen die Funde in Bosnien bei
Klekovaca (BECK), Travnik am Berge Vlasiß (SENDTNER, BRANDIS), Gradiske
 (SENDTNER), in Serbien (PETRovıl) und Bulgarien (VELENOVSKY).
Neuesten Datums ist das Auffinden durch BELA KÜMMERLE in Kroatien
und Norddalmatien auf dem entlang des Adriatischen Meeres hinziehenden
Velebitgebirge in einer Höhe von 1200—1550 m ü. M. und außerdem auf
der dalmatinischen Insel Curzola! Aber noch müssen wir zwei weitere
Fundplätze aufzählen, der eine, weitabgelegene, in Südfrankreich in den
Seealpen (Buchenwälder oberhalb Grasse, 1300—1400 m hoch) von
DE NANTEUIL 1887 entdeckt, der andere, als dritter in den Nordalpen,
bei Windisch-Garsten in Oberösterreich (NIEDEREDER).
Wenn wir ihre bis heute bekannte Verbreitung zusammenfassen, so
finden wir, daß sie vorzugsweise den Gebirgen Südtirols und der nördlichen
Balkanhalbinsel angehört, außerdem aber gleichsam versprengte Stand
orte hat: einen in den Seealpen, einen in Württemberg und drei im Bereich
            
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