Vorwort.
Die steinerne Wendeltreppe ist eine seltene Erscheinung unter den Treppen
ınserer Zeit; nur in untergeordneten Fällen oder als Notbehelf läfst man sie zu. Verzleicht
man sie unbefangen mit der geraden Steintreppe, so findet man nicht unmittelbar
aine genügende Erklärung hierfür. Als Verkehrsweg ist sie bei einiger Weite nicht
anbequemer, als jene, als Konstruktion ist sie ihr überlegen, auch ist sie anspruchs-\oser
im Raumerfordernis und ihre runde Form pafst in manchen Grundrifs besser,
als die länglich rechteckige. Dafs sie trotzdem nicht als ebenbürtig behandelt wird,
hat seinen Grund wohl zu einem Teile in der Gewöhnung an die verbreitetere gerade
Treppe, zum andern aber in dem Mangel an Übung im Baue der Wendeltreppe. Diese
Übung war einmal in Deutschland in hohem Grade vorhanden, wie eine grofse Zahl
noch wohl erhaltener Treppen beweist, verlor sich aber mit der deutschen Frührenaissance.
Zu den Bedürfnissen der bürgerlichen Baukunst unserer wachsenden Städte gehört
lie Steintreppe mehr und mehr. Unter den verschiedenen Formen derselben ist diejenige
ohne Zweifel die verwendbarste, welche am wenigsten Raum in Anspruch nimmt
and dem Lichte möglichst viel Zugang läfst. Dies ist die runde, freitragende Treppe.
[n keiner Zeit ist diese zu gleicher Vollkommenheit der Form und Konstruktion ausgebildet
worden, wie in jener Periode des Überganges von der Gothik in die moderne
Bauweise, Es ist deshalb ohne Zweifel nicht unzeitgemäfs, wenn man dem Wissen
and den Erfahrungen der Gegenwart noch Einiges hinzufügt, was sich durch das
Studium jener Blütezeit des’ Wendeltreppenbaues erwerben läfst. Dieses erwägend,
haben wir eine Auswahl solcher Treppen von den einfachsten bis zu den kunstreichsten
zemessen und in möglichst leicht verständlicher Weise aufgezeichnet, welche Auf-