Vogelschutz im Schwarzwald.
Von Dr. W. Fischer, Studienrat, Heidenheim.
Unter den verschiedenen württembergischen Landschaften hat der
Schwarzwald die verhältnismäßig kleinste Anzahl von Brutvögeln aufzuweisen.
Der Grund dafür liegt in der großen Einförmigkeit des Pflanzenkleids,
das den württembergischen Gebirgsanteil kennzeichnet, Nadelwald
mit vorherrschender Fichte bedeckt zum größten Teil unser Gebiet, und
an beschatteten Nordhängen kommen außer Moosen und Farnen wenig
größere Pflanzen auf; nur an lichteren Stellen finden sich verschiedene
Beerensträucher, roter Fingerhut und dergleichen. Bäche und Flüsse sind
von nur schmalen Wiesenstreifen begleitet, und um die Ortschaften legt
sich meist in geringer Ausdehnung ein Gürtel von Acker- und Obstland.
Bedeutende Laubholzbestände fehlen ebenso wie Weinberge und größere
schilfumsäumte Seen. Damit haben unter den Vögeln wohl die Freunde
des dunklen Nadelwaldes günstige Lebensbedingungen, aber die weit
zahlreicheren Arten, die Misch- und Laubwald bevorzugen, kommen wie
das Sumpf- und Wassergeflügel nicht ganz auf ihre Rechnung. So werden
wir im Schwarzwald — von den Zugszeiten abgesehen — manchen Vogel
anderer Landesteile vergeblich suchen, während er andererseits kaum eine
ihm allein eigentümliche Art aufweist. Jıdenfalls können seine weiten,
einsamen Wälder gewissen Kulturflüchtlingen, wie bis in neueste
Zeit herein dem stattlichen Kolkraben, Unterschlupf gewähren. Bevorzugt
werden sie sodann von Auerhuhn, Zwergkauz, Schwarzspecht, Nachtschwalbe,
Tannenhäher, Kreuzschnäbeln und anderen Arten, die beispielsweise
im größeren Teil des Unterlands stark zurücktreten oder ganz’fehlen.
Weiterhin besitzen die höchsten Erhebungen des Gebirges mit ihren Legföhrenbeständen
und Hochmooren einige sonst seltene Vögel, Alpenringdrossel
und Wasserpieper. An den rauschenden Bächen und Flüssen
haben sich Eisvogel und Wasseramsel, zwei Perlen unserer Vogelwelt, zu
halten vermocht. -— Damit kann doch eine ganze Anzahl bemerkens-1
Anhangsweise sei der schon vor mehreren Jahren während meiner Tätigkeit
in Dornstetten verfaßten Arbeit eine Beobachtung vom Feldberg beigefügt.
Dort stellte ich anfang Juni 1927 zwischen „Feldberger Hof“ und Seebuck
nicht weniger wie 10 verschiedene Arten fest. In mehr als 10 Stücken sah ich
auf der verhältnismäßig kleinen Fläche Wasserpieper und Feldierche, in geringerer
Zahl Buchfink, Goldammer, Baumpieper, Tannenmeise, Weidenlaubvogel,
Zaunkönig, braunkehligen Wiesenschmätzer, Singdrossel. Daraus geht
hervor, daß es auch auf den höchsten Erhebungen des Gebirges mit dem Vogelleben
nicht so schlimm bestellt ist, wie man oft meint und hört.
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