Full text : Geschichte des schwäbischen Stammes bis zum Untergang der Staufer

scheint durch das Volk, in Wirklichkeit durch den Willen
der Hundertschaftsführer, beschränkt gewesen zu sein.
Denn diese größeren Stammesteile waren wieder nach
Hundertschaften gegliedert. Solche finden wir in der
Germanenwelt bei den Schweden und Dänen wie bei den
Angelsachsen und sonstigen Westgermanen als Gerichts- und
Wirtschaftsverbände je innerhalb eines bestimmten Bezirks.
Gewiß hielten sie auch im Felde zusammen. Die ursprüngliche
 Bedeutung war wohl die von 100 Männern mit ihren
Familien; später bedeutete die Hundertschaft einen Teil des
Volks, der jedenfalls nicht mehr so genau zahlenmäßig abgeschätzt
 war. Daß auch die Alamannen nach Hundertschaften
gesondert waren, daran kann nach den Zuständen im neuen
Siedlungsraume kein Zweifel bestehen. Die Vorsteher der
Hundertschaften wurden aus dem führenden Adelsgeschlecht
gewählt, deren es in jeder nur eines gegeben haben mag, und
zwar erkor man aus diesem jeweils den Tüchtigsten. Wie bei
dem Zusammenschluß zum Stamme sich etwa neue Hundertschaften
 gebildet haben, wissen wir nicht.
Innerhalb der Hundertschaften standen die Sippen.
Jeder Germane ist Mitglied des Geschlechts, eines Kreises
von Blutsverwandten, wie dies auch bei den andern Indogermanen,
 ja bei vielen anderen Völkern der Erde der Fall
zu sein pflegte; er war mit den Sippengenossen unbedingt
verbunden. Die Sippe, die ursprünglich auf einen gemeinsamen
 Stammvater zurückleitet, stellt ein wachstümliches,
auf religiöser Grundlage ruhendes Ganzes dar, eine Gemeinschaft
 von Brüdern und deren Nachkommen, die für jegliche
Aufgabe des Lebens zusammenhält. Alle Glieder wissen sich
wesensgleich in seelischer und geistiger Beziehung zueinander:
 Liebe und Kameradschaft, Unterordnung und Ehrfurcht,
 Gemeinschaftsgeist und Einsatzbereitschaft sind ursprüngliche
 Gegebenheiten des Zusammenbhaltens von Blutsverwandten.
 Die Angehörigen eines Geschlechts bilden in
Leben und Handeln ein fest geschlossenes Ganzes; dieses
umfaßt aber außer den Lebenden auch die Verstorbenen; der
einzelne gehört zur Sippe des Vaters. Größere Sippschaften
des neuen Stammes sind vielleicht erst im Laufe der Wanderzeit
 wieder erstanden; in deren Schwierigkeiten und Ge-
            
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